Rot mit gelbem Häubchen

Bud Spencer ist tot. Damit starb für viele im Netz und auch mich ein Held meiner Jugend. Ich will kurz erklären, warum.

Der Mann stand nicht für anspruchsvolles Entertainment. Seine Filme, allein oder mit Partner Terence Hill, waren in der Regel Haudrauf-Orgien. Aber genau deswegen waren sie damals etwas besonderes. Mein erster Film mit Bud Spencer war „Zwei wie Pech und Schwefel“. Der Moment, als ich mit meinem Freund U. ins Kino ging, war besonders: endlich konnte man Gewalt anschauen und sich darüber amüsieren. Für jemand wie mich, der im bürgerlichen Umfeld groß geworden und nie ernsthaft mit damit konfrontiert worden war, etwas besonderes. Denn auch das Fernsehprogramm, so man es schauen durfte, war ja meist weichgespült.

Aber die Filme hatten auch andere Momente, deren Loriothaftigkeit einem häufig erst viel später auffiel. Etwa die Verhonepipelung der Mafia, die legendäre Chorszene oder das Autorennen. So hoffe ich, dass für Bud Spencer da oben ein Strandbuggy wartet. Rot, mit gelbem Häubchen.

Selbst verordnete Hilflosigkeit

Neulich lief im Fernsehen wieder „Die Unbestechlichen“, der Film über die Watergate-Journalisten mit Dustin Hofmann und Robert Redford. In einer Szene musste Bob Woodward (Redford) eine Telefonnummer herausfinden und wühlte sich tatsächlich über mehrere Stunden durch einen Riesenhaufen dicker Telefonbücher. Da kam mir in den Sinn:

Wir leben in einer Welt mit Navi, eBook-Reader, Handy, Tablet, Internet, Multifunktionsdrucker, Lieferservice und alles ist ja auch wunderbar. Aber wenn ich sehe, wie hilflos manche Menschen agieren, sobald ihnen eines dieser Teile abhanden kommt, bin ich froh,

…auch ohne Navi zu einem Ort zu gelangen, den ich nur auf der Karte gesehen habe
…auch ohne Suchfunktion in einem Text, einer Zeitschrift oder Buch eine bestimmte Information zu finden
…einmal am Tag etwas zu schaffen, wo der einzige Strom, der höchstens fließt, einen Bohrmaschinenmotor oder eine Stichsäge antreibt
…mit barem Geld einzukaufen und solches auch wieder zu bekommen
…eine vom Sinn her nachvollziehbare Notiz leserlich auf einen Zettel schreiben zu können
…aus einer Handvoll Zutaten auch ohne Rezept ein schmackhaftes Gericht kochen zu können
…eine längere Wartezeit auch ohne Bespaßung irgendeiner Art auszuhalten
…ohne Rechtschreibprüfung fehlerfreie Texte zu verfassen (mit einer Ausnahme: das und dass gehen mir ab und zu dadurch)

Ode an die Siebziger (I)

Ich bin ein Kind der Siebziger. 1962 geboren fiel ein großer Teil meiner bewusst erlebten Kindheit in dieses Jahrzehnt. Ich erinnere mich vor allem an Architektur und Zukunftsträume.

Künstlichkeit war Trumpf. Beton war bei neuen Häusern, Kirchen und kompletten Innenstädten der vorherrschende Baustoff, aus Kunststoff wurden Möbel und andere Dinge des täglichen Lebens hergestellt. Das erlaubte eine fantasievolle Gestaltung, die man anschließend nie wieder sah. Holz und Stahl, natürliche Farben – das kam erst im Laufe der Neunziger nach vorne.

Die Siebziger waren bunt, aber nicht in klaren Farben, sondern vor allem knallig. Orange und Kackbraun, Lila und Pink. Neon noch nicht so sehr, das kam erst später. Mut zur Farbe ist lange schon wieder out. Grau, schwarz und Silber beherrschen unsere Welt.

Musik aus den Siebzigern war noch nicht von elektronischen Taktgebern durchgerechnet, sondern egal ob Disco, Rock oder Balladen alles größtenteils „handgemacht“. Jede Funkproduktion aus dieser Zeit schlägt um Längen den künstlichen Housemüll, der zum Teil heute produziert wird.

Vor allem war die Zukunft offen, man konnte sorgloser träumen. Bis auf die Ölkrise war Energie kein Thema, um das man sich Sorgen machen musste. Die Fronten zwischen den beiden Großmächten waren klar abgesteckt, aber die Situation eskalierte erst Anfang der Achtziger.

Coming soon: kleine Retrospektive mit Filmen und TV-Serien aus dieser Zeit