Viel Arbeit, wenig Geld

Wenn du schreibst, gut schreibst und die Menschen gerne lesen, was du schreibst, kommst du irgendwann auf die Idee, du könntest doch auch ein Buch schreiben. Oder andere kommen auf die Idee, du könntest doch auch ein Buch schreiben. Ich habe im Laufe der letzten Jahre mehrere Titel geschrieben, die insgesamt sogar einen ganzen Regalmeter füllen.

Meine ersten Schritte als Buchautor tat ich zusammen mit meinem damaligen Kollegen Ralf Ockenfelds. Ich hatte bei seinem PC-Druckerbuch assistiert und unter anderem einen Zeichensatz für Nadeldrucker entworfen. Jetzt wollte Data Becker einen Titel zum Atari ST herausbringen, und so nahm man das PC-Druckerbuch und ersetzte die für MS-DOS spezifischen Teile durch Inhalte von mir über den Atari ST, unter anderem auch über den für diesen Computer erhältlichen Laserdrucker. Man hatte ja nix, der Rest der Welt sägte noch mit Nadeldruckern.

Mein großer Solo-Auftritt kam dann mit dem 386-Buch. Das war ein Praxistitel über diese Computer, denn wie heute aufbauen, einschalten, ein paar Klicks und schon läuft die Büchse – daran war damals nicht zu denken. Man musste sich erst durch die Untiefen von BIOS-Konfiguration, DOS-Installation etc. wühlen.

386buchmedium

Man soll fast meinen, man glaubt es kaum: das 386-Buch steht noch in der Bibliothek der Fernuni Hagen.

Es folgten bei Data Becker Bücher zum 486er, zum Pentium, zu CD-Laufwerken und zum Hardwaretuning. Als ich 1995 Freiberufler wurde, wechselte ich zu Hanser und schrieb dort über CD-Laufwerke, Datensicherung und Notebooks. Später kamen bei Sybex noch ein paar Titel zu Tipps und Tricks rund um verschiedene Hardwarethemen sowie zuletzt 2005 eine Überarbeitung eines Buches eines Kollegen über Digitale Modellbahnen.

Keines der Bücher hat bisher die Investitionen an Bl…ättern, Schweiß und Tränen auch nur annähernd wieder eingespielt. Mit dem 386-Buch hatte ich in einem Monat einmal einen vierstelligen Gewinn.

Natürlich gab es damals noch ein Garantiehonorar, doch das wurde mit den Gewinnen verrechnet. Bei den Büchern von Hanser war das sogar exorbitant hoch (je 8000 Makk). Aber wenn der Verlag (damals) NULL Werbung dafür macht, macht das auch nur zeitweise glücklich. Zum Schluss gab es nur noch je Titel einen Pauschalbetrag ohne Umsatzbeteiligung, der dem Aufwand nicht annähernd gerecht wurde.

Allen, die Bücher schreiben, gilt meine uneingeschränkte Hochachtung, denn die Disziplin bis zur Abgabe geht weit über das hinaus, was man für einen Artikel aufbringen muss. Auf den Erfolg ist lange zu warten – oder man gibt sich allein mit „Ruhm, Ehre und fünf Freiexemplare“ zufrieden (was Data Becker damals in Anzeigen einem Autor versprach – und meist auch hielt…). Dass Bücher weniger erfolgreich sind, weil es das Internet gibt, davon bin ich übrigens nur teilweise überzeugt.

Mein persönlicher Brexit

Als vor ein paar Monaten die Inselbewohner über ihren Ausstieg aus der EU abstimmten, machte ich mir Gedanken, ob meine Arbeit dadurch in der Zukunft negativ beeinflusst werde. Ich war seit mehr als acht Jahren als freier Redakteur für die deutsche Ausgabe der Stuff tätig und habe mehr als 60 Ausgaben mit gestaltet. Stuff ist ein „Gadget“-Magazin, in dem nicht nur Computer, Handys und Unterhaltungselektronik behandelt werden, sondern auch Autos, Freizeit und Sport. Es gibt darin Neuvorstellungen, Tests, Reportagen und viele andere Dinge mehr. Die „Mutter“ sitzt in Großbritannien, es gibt aber international viele Ableger, unter anderem auch bei uns.

Etwa alle zwei Monate brachte ich die Vorlagen der englischen Ausgabe in eine deutsche Form. Das ist natürlich zunächst übersetzen, aber ich nenne es gerne „lokalisieren“: Nachprüfen, ob es die Geräte oder Angebote auch in Deutschland gibt und falls ja wo, zu welchem Preis, und wenn nicht, wie teuer der Versand ist. Last but not least musste ab und zu auch der Sprachstil angeglichen werden.

Eine ganze Reihe von Anbietern und Herstellern der Produkte, die in Stuff vorgestellt wurden, kommen aus Großbritannien. War es vor Jahren noch fast unmöglich, aus Deutschland dort zu kaufen, weil sie einfach nur auf die Inseln lieferten, konnte man zuletzt inzwischen fast alles auch hier bekommen, wenn auch zum Teil mit saftigem Porto. Meine Sorge war nun, dass sich das wieder ändert, wenn die Briten aus der EU austreten – durch Zölle oder weil britische Firmen dann doch nicht mehr ins Ausland liefern.

Doch das hat sich ganz ohne Brexit inzwischen erledigt, denn der Verlag, der in Deutschland Stuff produzierte, musste inzwischen Insolvenz anmelden – unabhängig und nicht mit dem Ausstieg der Briten aus der EU zusammenhängend.

Was kümmert es die Eiche… #kritikprofis

Als Profi, der ab und zu auch vor Publikum tätig ist, kommt es hin und wieder zu ungewollten Reaktionen, mit denen ich irgendwie umgehen muss. „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann hat das selbst erlebt und aus diesem Anlass eine Blogparade ins Leben gerufen, an der ich mich gerne beteilige.

Da ich verschiedene Tellerchen drehe, kommen Reaktionen auf verschiedenen Ebenen zu mir. Mein erster großer Artikel als Autor und Redakteur enthielt einen Fehler (es ging um Malprogramme, und ich behauptete, eine bestimmte Funktion gäbe es bei einer Software nicht). Sofort wurde die Redaktion mit Leserbriefen bombardiert, und ich musste mich auch mit einigen unflätigen Bemerkungen auseinandersetzen. Damals lernte ich jedoch die wichtigste Regel: Fehler gehören zum Geschäft, und die Erde dreht sich weiter. Man muss sie zugeben, korrigieren und weiter machen, auch wenn manche einen als Idioten beschimpfen.

Seit vielen Jahren bin ich auch als EDV-Trainer unterwegs, und zwar bei Menschen, die nicht selbst dafür bezahlen, sondern im Rahmen von Wiedereingliederungs-Programmen ins Arbeitsleben daran teilnehmen. Nicht jeder ist mit meiner Art oder meinen Inhalten einverstanden. Um das abzufangen, biete ich in bestimmten Abständen die Möglichkeit, Feedback zu geben. Das hatte ich anfangs nicht, und das motivierte manchen, während des Unterrichts mich mit Bemerkungen aus dem Konzept bringen zu wollen.

Eine Frau meinte sogar, mit meinem Stil überhaupt nichts anfangen zu können und zog sich anschließend komplett zurück. Ich akzeptierte das und sagte es ihr auch. Ich nehme so etwas nicht persönlich. Es ist zwar schön, wenn einen alle mögen, doch 100% Zustimmung erreicht man kaum. Bill Clinton meinte einst, ihm würden 51% reichen. Ich bin allerdings froh, wenn ich meist etwas mehr schaffe. Eine Garantie ist das Gefühl jedoch nicht.

Und wenn die Reaktion heftiger wird? Vor vielen Jahren konnte ich einen professionellen Rhetorikkurs bei Peter Palausch absolvieren. Dort lernten wir auch mit unflätigen Reaktionen aus dem Publikum umzugehen, und zwar auf die einzig richtige Art: darüber hinweg gehen. Voraussetzung hierfür ist nach meiner Erfahrung eine klare Linie, die man durch den Vortrag ziehen muss. Wenn ich fest verwurzelt bin, kann mich nichts umwerfen.

Für den Umgang mit Kritik halte ich mich auch an Vera F. Birkenbihl, die dazu in einem Buch empfiehlt, den Kritiker (bei der entsprechenden Gelegenheit) zu bitten, doch mehr zu erzählen, nachzufragen. Unsachliche Nörgler können spätestens hier nicht mehr viel dazu sagen, und aus dem Rest können wir lernen.

Also sehe ich mehrere Säulen für die Kritikfestigkeit: Ein klar durchstrukturiertes Programm, eine gute Präsentation sowie ein separates Ventil für Kritik anzubieten. Und die Einsicht, dass niemand perfekt sein kann. Selbst beim Umgang mit Kritik nicht.

Zwanzig

Vor vielen, vielen Jahren begab es sich, dass ein Redakteur in die Selbstständigkeit wechselte. Von seinem Chef bekam er das Angebot, die Artikel in Zukunft als freier Journalist zu liefern. Keine Anwesenheitspflicht mehr in der Redaktion, keine aufwändigen Grenzkontrollen mehr am Übertritt in die Nachbarstadt, freie Zeiteinteilung, mehr Raum für die Familie, die sich just zu diesem Zeitpunkt erweitern sollte (und wie sie das hat!).

Seither ist dieser Beruf eine Passion. Mein Status ist, wenn auch anfangs mehr hineingeschubst als selbstgewählt, mir heilig. Viele Selbstständige sind ja in Wirklichkeit nur auf dem Weg zur nächsten Festanstellung, Durchreisende, mit mehr Gehalt und besserem Stigma als wenn man als „Arbeitssuchender“ gilt. So wie viele „Single“ eigentlich keine sind, denn sie suchen auch nach einer Beziehung.

Doch ich bin mit Leidenschaft selbstständig, ich möchte es nicht anders. Es ist schwierig, ich drehe hier immer mehrere Tellerchen und habe mehrere Hüte, die ich im Wechsel aufsetze: Autor, Lehrer, PC-Troubleshooter und noch einige mehr. Dass man selbstständig ist, heißt nicht, dass man keinen Boss mehr hat, sondern dass man viele Bosse hat.

Der Umgang mit Zeit und Terminen ist fast noch eine größere Herausforderung als die Beschäftigung mit den Inhalten. Aber nochmal: ich könnte mir zurzeit keinen besseren Zustand vorstellen. Was in Zukunft ist, wer kann das schon sagen. Hätte mir jemand damals erzählen können, dass ich hier in zwanzig Jahren noch in der Hauptsache das gleiche tue?

19

Seit dem heutigen Datum vor 19 Jahren bin ich selbstständig in meiner Haupttätigkeit als freier Journalist und Fachautor für IT-Themen. Das mag wie eine Ewigkeit erscheinen, zumal in dieser Branche.

Zwar ist Computerkenntnis immer gut gefragt, vor allem wenn es nicht nur mehr ist als bei anderen, sondern vor allem, wenn sie gut vermittelt werden kann. Doch der Journalismus asweknewit™ ist in den knapp zwei Jahrzehnten komplett den Bach herunter gegangen.

Vielleicht ist ein so krummes Jubiläum nicht der richtige Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen, tatsächlich ist es so gut wie alle anderen Zeitpunkte auch. Die fast zwanzig Jahre habe ich aber nur überstanden, weil andere Beschäftigungen das Schreiben ergänzen konnten.

Ich bin dankbar, dass ich in Unterricht und PC-Hilfe Ergänzungsmöglichkeiten gefunden habe, wo die Auftragslage zu wünschen übrig ließ. Was nicht allein die Schuld der Branche an sich ist. Ich habe bestimmt auch viele Chancen, die sich mir offen boten, ja die mir quasi ins Gesicht sprangen, nicht so genutzt, wie es sinnvoll gewesen war und wäre. Doch die Zeitmaschine ist leider kaputt, außerdem hab ich keine Lust über Vergangenes zu weinen. Insofern freue ich mich auf die nächsten vielen Jahre.

<tl;dnr>Thank you for the music.

Momentum

Es gibt Worte, die aus dem Englischen kommen, aber die man in Deutsch nur unzureichend übersetzen kann. Momentum zum Beispiel. Mit „Schwung“ ist dieses Wort nur unzureichend umgesetzt. Es geht hierbei auch nicht nur um die Bewegungsenergie, sondern auch die Masse, die – einmal in Gang gesetzt – sich nicht so leicht wieder stoppen lässt. Wie die große Dampflokomotive oder der Ozeandampfer.

Einen solchen Momentum-Effekt gibt es jedoch nicht nur im Maschinenbau, sondern auch auf geistiger Ebene. Zurzeit schreibe ich nicht nur hier in den Editorialnotes, sondern auch für das Techniktagebuch und auf anderen Ebenen, und häufig passiert es mir in den letzten Tagen, dass ich dann plötzlich in Fahrt gerate und die Ideen für Beiträge (nicht nur für diese beiden Blogs, sondern auch viele andere Schreibprojekte, die es noch nicht gibt oder die es schon gibt aber die noch geheim sind) nur so sprudeln, da komme ich fast gar nicht nach mit dem Aufschreiben.

Aufschreiben muss ich es aber. Denn Ideen sind wie scheue Rehe: einmal weggeschaut und etwas anderes gemacht sind sie wieder verschwunden und kehren – wenn man Pech hat – nie wieder.

Der Ver-Lust der Unschuld

Bestimmte Worte, die eigentlich harmlos klingen, kann man mittlerweile nicht mehr benutzen, weil sie auch in sexualisiertem Zusammenhang eingesetzt werden. Und weil über bestimmte Praktiken im Zusammenhang mit diesen Worten jederzeit öffentlich geredet und geschrieben wird. Entsprechende Ratgeber sind ja inzwischen schon in jeder Bäckerblume enthalten.

Um unsere Texte anderen Inhalts gar nicht erst in die falsche Richtung zu lenken, verwenden wir deswegen statt blasen das Wort pusten und machen selbst um ähnlich klingende Worten mit völlig anderer Bedeutung einen Bogen.

Das Gehirn des Menschen ist nämlich ein kleines Kind: auf die falschen Schlüsselwörter galoppiert es in die völlig falsche Richtung, und die ursprüngliche Botschaft, der Inhalt eines Textes ist dann nur noch schwer zu vermitteln, weil, haha, er hat … gesagt. Oder geschrieben.

Andererseits findet niemand mehr etwas dabei, den Begriff „geil“ zu benutzen, und auch Fäkalienbegriffe wie Scheiße oder Kacke gehören inzwischen zum Standardrepertoire vieler bei der Beurteilung von Sachverhalten. Da sind wir abgestumpft genug.

Ich bin ein Textmensch

Es gibt Textmenschen und Bildmenschen. Textmenschen können gut schreiben und Bildmenschen gut fotografieren und filmen. Beides liegt mir nicht so. Ich muss mich immer geradezu zwingen, die Kamera draufzuhalten, und selbst dann gelingt mir der ideale Moment nur selten. Andere, meine Tochter beispielsweise, die knipsen und es wird Fotokunst.

Doch Schreiben, das finde ich einfach nur wunderbar, da gehe ich auf, und ich stelle fest, dass von einigen meiner Texte sogar ein gewisser Zauber ausgeht. Das sagen auch manche Menschen, die sie gelesen haben, und ich sitze dann da und schaue etwas ungläubig, aber zugleich wissend, so wie Textmenschen das tun.

Horror Vacui

Die Blogparade ist quasi in Zeiten des Blogstöckchens der „1-Frage-Balken“, und gefragt hat PR-Doktor Kerstin Hoffmann:

„Was tun Sie gegen eine Schreibblockade?“

…oder „die Angst vor der Leere“ (des Blattes/der Seite in Word, Übersetzung des lateinischen Artikeltitels). Meine Antwort: Es gibt mehrere Methoden, ich nehme die gerade meinem Gemütszustand am passenden erscheinende.

  • Von Vera F. Birkenbihl stammt die ABC-Liste. Man schreibt von A-Z alle Begriffe auf, die einem rund um das Thema einfallen, über das man schreiben muss. Das gibt einem – besser als ein führerloses Brainstorming – Anknüpfungspunkte, mit denen man loslegen kann.
  • Punch the keys! Diesen Ratschlag aus dem Film Finding Forrester kann ich nur bestätigen. Man muss einfach drauf los schreiben, egal was rauskommt. Feilen, korrigieren, kürzen, ausschmücken kann man hinterher immer noch. Schreiben Sie los, und lassen Sie zu, dass der Gedankenfluss ungehemmt in die Tastatur fließen kann. Filtern Sie nicht, und wenn Sie hinterher 90 Prozent wegwerfen müssen – die 10 Prozent werden es auf jeden Fall wert sein.





  • Ein Text ist seltenst ein „Vorne-anfangen-hinten-aufhören“-Projekt. Ich beginne, indem ich schon mal aufschreibe, was ich weiß, was feststeht. Das kann im banalsten Fall eine Auflistung von Geräten sein, über die ich schreibe. Egal. Hauptsache, da steht irgendetwas. Dann wächst der Rest meist von selbst (siehe auch voriger Tipp).
  • Es gibt diese Texte über Themen, von denen hat man sowas von keine Ahnung, aber der Auftraggeber hält einen für den Guru auf diesem Gebiet, und wie heißt es so schön: Wem Gott ein Amt gibt (oder wem er einen Auftrag verschafft), dem gibt er auch den Verstand. Sie haben sich zwar Ihre tragbare Festplatte mit Unterlagen vollgegoogelt, doch das hilft ihnen für einen Ansatz auch nicht weiter. Jetzt der heiße Tipp: Fragen Sie jemand, der auch keine Ahnung von dem Thema hat. Was interessiert an dem Thema. Was würde sie oder er wissen wollen. Was ist vielleicht schon bekannt?

Es kann sein, dass der eine oder andere Tipp schon von anderen Paradeteilnehmern aufgegriffen wurde – umso besser! Dann wissen Sie, das da auch was dran sein muss. Wichtig: Probieren Sie aus, ob die Methode für Sie funktionieren kann oder nicht – und wenn nicht, nehmen Sie die nächste! Wie bei Abnehmtipps glaube ich fest daran, dass es die eine geniale Methode für alle nicht geben kann, aber das für jeden Menschen eine existiert, die gut funktioniert. Man muss sie nur selbst finden.