Independence Day 2 & Star Trek Beyond

Was Kino kann, kann nur Kino. Das gilt vor allem für diese beiden Bombast-Blockbuster. Die starteten im Wochenabstand, deswegen habe ich sie mir an einem Abend hintereinander in meinem Lieblingskino in Düsseldorf angeschaut. In Originalversion, mit 3D (anders liefen sie auch nicht) – letzteres sei geschenkt, darauf hätte man auch verzichten können. Da die Filme nachträglich angepasst wurden, entsprach das etwa dem Effekt, den man bei einem Fernseher hat, wenn man die „mach-das-Bild-mal-räumlich“-Funktion aktiviert.

Beide Filme haben aus vielen Ecken negative Kritiken bekommen – für mich ein Garant für beste Unterhaltung, und ich wurde nicht enttäuscht. Wer hier weiter lesen will, sei gewarnt, es könnten Spuren von Spoilern enthalten sein. Außerdem gebe ich hier nur einen kurzen Eindruck wieder. I’m a doctor, not a movie reviewer. Continue reading

Rot mit gelbem Häubchen

Bud Spencer ist tot. Damit starb für viele im Netz und auch mich ein Held meiner Jugend. Ich will kurz erklären, warum.

Der Mann stand nicht für anspruchsvolles Entertainment. Seine Filme, allein oder mit Partner Terence Hill, waren in der Regel Haudrauf-Orgien. Aber genau deswegen waren sie damals etwas besonderes. Mein erster Film mit Bud Spencer war „Zwei wie Pech und Schwefel“. Der Moment, als ich mit meinem Freund U. ins Kino ging, war besonders: endlich konnte man Gewalt anschauen und sich darüber amüsieren. Für jemand wie mich, der im bürgerlichen Umfeld groß geworden und nie ernsthaft mit damit konfrontiert worden war, etwas besonderes. Denn auch das Fernsehprogramm, so man es schauen durfte, war ja meist weichgespült.

Aber die Filme hatten auch andere Momente, deren Loriothaftigkeit einem häufig erst viel später auffiel. Etwa die Verhonepipelung der Mafia, die legendäre Chorszene oder das Autorennen. So hoffe ich, dass für Bud Spencer da oben ein Strandbuggy wartet. Rot, mit gelbem Häubchen.

Hintereinander oder durcheinander

Früher™ liefen im Fernsehen Serien immer eine Folge je Woche. Die Dramaturgie war entsprechend aufgebaut, sogar sogenannte Cliffhanger (Episoden, deren Handlung erst in der nächsten Folge aufgelöst wird) funktionierten ganz gut.

Schon mit dem Videorecorder wurden daraus dann auf Wunsch megalange Spielfilme: Man konnte ganze Folgen aufnehmen und hintereinander weg gucken. Oder kaufen. Das setzte sich dann mit DVD-Player fort und den Download-Portalen, die ganze Seasons oder bei abgeschlossenen Serien sämtliche Folgen auf einmal anboten (legal und Ikearegal).

Immerhin blieb man damit ein wenig in der Reihenfolge, denn normalerweise käme niemand auf die Idee, die Folgen nicht hintereinander zu schauen. Schließlich entwickeln sich Plot und Figuren ja über den Verlauf weiter.

Doch heute senden die Fernsehsender die Serien nicht mehr im richtigen Rhythmus. Bei vielen Serien erscheint zwar nach wie vor jede Woche alles auf dem Schirm, aber meist zwei oder drei Folgen auf einmal. Das ist als wenn man Musik mal langsam, mal schnell spielt.

Unangenehm ist es, wenn gleich mehrere Sender einer Familie die Folgen einer Serie senden. Ganz schlimm finde ich das zum Beispiel bei NCIS, das nicht nur auf Sat.1 und Kabel 1 sondern im PayTV auch noch auf 13th Street und Fox rauf und runter genudelt wird (bei den letzten zwei wenigstens werbefrei und auf O-Ton umschaltbar). Auch The Big Bang Theorie oder How I Met your Mother sowie Two and a half Men werden so oft gespielt, bis man den Eindruck hat, die Videobänder müssten ja schon ausgefranste Ränder haben.

Das gleiche gilt für die RTL-Familie und „CSI:woauchimmer“ sowie „Law and Order: New York/Special Victims Unit“ oder die ganzen anderen Varianten dieser Serien.

So trifft man in einer Woche auf zehn Folgen aus vier Seasons und weiß hinterher nicht mehr wo einem der Kopf steht. Selbst die tollste Serie kann einem so vergällt werden, selbst bei einem Plot, der nicht sich nicht im Laufe der Season weiter entwickelt.

Das ist dann der Moment, wo ich zum ersten Mal die verstehen kann, die entweder keinen Fernseher mehr besitzen oder sagen, weniger Programme reichen ihnen aus.

Multivitaminfilme

Manchmal, wenn die eigenen Batterien leer sind, braucht man etwas Aufbauendes, einen Kick für die Seele. Statt sich irgend einen Mist reinzuziehen, geht dann auch besonders einer dieser Filme.

18 Stunden bis zur Ewigkeit
Etwas abgelagert und mit dem Charme der Siebziger (die Frisuren! die Musik! die Art zu feiern und Urlaub zu machen!). Aber die Geschichte, wie ein fast unlösbares Puzzle gelöst wird, ist immer wieder spannend.

Apollo 13
Auch in diesem Film wird, und die wenigsten Menschen werden es während der Krise und hinterher gewusst haben, ein fast unlösbares Problem überwunden, und der wirkliche Held ist für mich nicht der Kommandant der Kapsel, sondern der von Ed Harris gespielte Chef der NASA-Schicht mit seinem legendären „Failure is not an Option!“

Die fabelhafte Welt der Amelie
Ich weiß, es gibt Menschen, die können diesen Film nicht ausstehen. Ich finde aber die vielen kleinen Aufs und Abs und auch die Boshaftigkeiten genial. Das positive Endergebnis sowieso. Um diesen Film zu würdigen, muss man französisch denken.

Der friedvolle Krieger
Diesen Film habe ich mir etwas erkämpfen müssen und seine Botschaft kommt erst zum Schluss rüber. Trotzdem sehenswert.

Das Geheimnis meines Erfolgs
Ein Klassiker und fast zu lustig, aber gerade das macht Spaß: zu sehen, wie Michael J. Fox erst andere an der Nase herumführt und dann selbst verführt wird.

Jerry Maguire
Sich lieber einer Sache ganz und mit vollem Herzen zu widmen statt auf allen Hochzeiten nur mäßige Tänze hinzulegen, das bringt einem dieser Film nah. Und auch hier ist der eigentliche Held eine Nebenrolle: der kleine Steppke der Sekretärin.

Slumdog Millionaire
Um diesen Film zu würdigen, muss man indisch denken.

Das Streben nach Glück
Wie man aus einer fast ausweglosen Situation mit Durchhaltevermögen und Liebe doch noch auf die Siegerstraße kommt, ist immer wieder überragend zu sehen. Besonders berührend ist die Szene, wenn er es geschafft hat und in der Menschenmenge seinen Erfolg genießt.

Die Verurteilten
Die Ausgangssituation des Films ist keine gute: ein Mann wird zu zweimal Lebenslänglich verurteilt, obwohl er unschuldig ist. Besonders genial ist wie hinterher gezeigt wird, dass sich auch sehr langes Durchhaltevermögen lohnt.

Star Trek Into Darkness

Nach etwas über einer Stunde kommt der Flashback, und ich musste lachen. Da hat J.J. Abrams es tatsächlich geschafft, einen ins Kino zu locken, damit man eine (jetzt hätte ich doch beinahe sattsam geschrieben) bekannte Geschichte nochmal neu erzählt bekommt. In 3D, mit Lens-Flare-Effekten, lustigen Dialogen und einer Enterprise, deren Innereien wirken wie eine Mischung aus Bierbrauerei und Atomkraftwerk. Mit vielen Twists und natürlich noch mehr neuen Elementen. Ansonsten gibt es kaum eine ruhige Minute. Die Effekte sind bombastisch, die Explosionen atemberaubend. Nur das 3D ist mir zu flach, was aber wohl daran liegt, dass es nachträglich appliziert wurde (und Kirk nuschelt im Original ja fast schlimmer als Til Schweiger…).

In diesem Film zu sitzen ruft bei mir ein merkwürdiges Gefühl hervor: man sieht Figuren, die man schon seit der Kindheit kennt in einem bis an den Rand gepackten Actionfilm, der einen Teile der Geschichte seiner Protagonisten neu erleben lässt. So, als würde man sein eigenes Leben nochmal in 3D und mit perfekter Technik neu leben dürfen (but hey: it’s just a freakin‘ movie).

Und selbst das Dejavu ist ein Dejavu: von dem Moment in Star Trek I (und ich rede hier von The Movie, also dem ersten Kinofilm mit der TV-Seriencrew), als wir vor etwa 35 Jahren die bereits hundertmal auf dem Fernsehen gesehenen Figuren in der schönen dunklen Kinokulisse tatsächlich von rechts nach links laufen sah und die Gesichter so groß. Diese Faszination haben die Next-Generation-Filme nie hinbekommen, auch weil es man da schon gewohnt war, aber die Reboot-Filme schon, der neueste Into Darkness noch mehr als der erste, was mich schon verblüffte.

Und es lässt einen merkwürdig ambivalent zurück. Was folgt als nächstes? Gibt es doch eine neue TV-Serie? Oder eine der anderen Storys neu erzählt? Will man das eigentlich? Was man auf jeden Fall will: Das Familiäre der Kino-Star-Trek-Crew, eigentlich jeder Star-Trek-Crew bewahren, denn das ist auch das Besondere, das diesen Franchise ausmacht.

Als alter Nitpicker fallen mir ja schon einige Dinge auf: der klassische Communicator hat ja ne tolle Reichweite, wenn man quer durchs Universum von der klingonischen Heimatwelt zu einer Bar auf der Erde funken kann. Außerdem: für ein genetisches Superwesen hat John Harrison ein schlechtes Gebiss (beobachtete meine Begleitung). Witzig fand ich dagegen die Volksarmee-Schirmmützen der Sternenflotte. Überhaupt hat sie ja seit dem „Reboot“ etwas Go-West-Haftes bekommen, mit den Parteitagsähnlichen Versammlungen und den Uniformen, die mehr an russische Offiziere erinnern als an Sternenflottenadmiräle.

Kritik von Thomas Gigold (Vorsicht: Spoiler!)