Karsten Wollny: Das Klavier in den fünften Stock, bitte!

klavierbuchKunden, die teils skurile Wünsche und Probleme äußern – wie wird man damit fertig, wie geht man damit um? Wen das interessiert, der sollte sich das Buch anschauen.

Wer allerdings glaubt, hier ein Panoptikum der Menschen, mit denen Karsten Wollny als Möbelpacker zu tun hat, bis ins kleinste Detail geschildert zu bekommen mit einer Anleitung, wie diese zu behandeln seien, den wird das Buch womöglich enttäuschen. Statt dessen schildert es ein Stück des Lebensweges eines Menschen, der für sich eine Aufgabe gefunden hat, die auf den ersten Blick nicht attraktiv erscheint: Möbel schleppen? Da stelle ich mir selbst nur den Beruf des Gerüstbauers als noch fieser vor.

Doch umgezogen wird immer, und so ist ein guter „Möbler“ ein gefragter Mann. Wenn er gute Umgangsformen hat sowieso. Doch es ist weit mehr nötig: die Erfahrung und Abgebrühtheit im Umgang mit fiesen Kunden und Nachbarn. Und mit Kollegen natürlich auch.

Insgesamt ist es ein vergnügliches Buch, das auch Abgründe nicht auslässt und sich in zwei Tagen weg frühstücken lässt. Und das mal wieder zeigt: Wenn ich möchte, dass mich jemand gut behandelt und seine Arbeit ordentlich tut, muss ich ihn nicht nur bezahlen, sondern auch die einfachen Formen der Höflichkeit wahren (und mitdenken, das hat bekanntlich noch nie geschadet).

368 Seiten, Taschenbuch
9,95 EUR (D)
ISBN 978-3-86265-112-2
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2012
www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

Pedro Manas, Javier Vazquez: N.e.r.d.s.

nerdsbuchBevor N.e.r.d.s. anfängt, ist es auch schon vorbei. Es ist ein äußerst kurzes Buch, verglichen mit den Regalmetern von klassischer Kinderliteratur wie Harry Potter oder der Tintenklecks-Trilogie. Das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Und dem Inhalt auch nicht.

Denn wer mit einem außergewöhnlichen Merkmal (dick, dünn, lang, kurz, rote Haare, wenig Haare, you name it…) kennt nicht die Hänseleien, das Ausgegrenztsein, das man in der Klasse daraufhin ertragen musste. Kinder sind rigoros, und sie kennen keine Gnade.

Aber sie sind nicht allein, und wie der Held, gezeichnet durch eine Augenklappe sich mit den anderen Ausgegrenzten zusammen tut, davon erzählt dieses Buch. Und davon, dass die guten Freunde oft näher sind, als man vermutet.

Sprachstil und Kürze der Geschichte empfehlen dieses Buch, übrigens ursprünglich aus Spanien, nicht nur für Jugendliche. PS: N.e.r.d.s. hat nichts… aber das werden Sie schon selbst herausfinden.

Kinderbuchverlag Wolff – 1. Auflage (Dezember 2011)

ISBN-10: 3938766263

ISBN-13: 978-3938766262

 

Die Wirer kommen

Es gibt im Netz eine Tendenz, die mir tierisch auf die Nerven geht: Kaum benutzt man ein System, wird man von anderen im Namen dieses Systems für ihre Zwecke vereinnahmt. Beispiele sind die Social Media Netzwerke.

Nur weil ich die gleiche Technik benutze (und Hardware und Software, die Facebook, Twitter und Google Plus ermöglichen, ist nichts anderes als Technik), bin ich in keinem Verein, dessen von den Mitgliedern aufgestellten Regeln ich mich beugen muss. Und erst recht nicht vertrete ich irgendeine Meinung, die in diesem Netzwerk vorherrscht oder nicht.

Es gibt aber einige Mitglieder, die glauben das. Ich nenne sie gerne „Wirer“, weil sie von sich und den anderen Benutzern des Systems als „wir“ reden. Andere sprechen von einer „Netzgemeinde“. Bullshit. WIR sind ein Haufen von Individuen, die miteinander Bilder, Texte und Links austauschen können (und noch ein wenig anderen Kirmeskram).

Ganz bestimmt möchte ich nicht jedem meine Meinung mitteilen oder ich will, wenn ich das tue, nicht, dass jeder zustimmt. Ich äußere sie halt.

Silber-CeBIT

In diesem Jahr war ich zum 25. Mal auf der CeBIT, also „silbernes Jubiläum“. Ich habe seit 1988 kein Jahr ausgelassen.

Die ersten acht Male war ich „im Auftrag des Herrn“ unterwegs, sprich für Data Becker. Das waren schon unterschiedliche Erlebnisse. Im ersten Jahr bin ich als Volontär morgens hin, abends zurück. Es fuhren zur Messe die „Express“-Züge, ausrangierte TEE mit Plüschsesseln.

Später dann durften wir von der Redaktion Action am Data-Becker-Stand organisieren – das war höllisch anstrengend, so ganz ohne Unterstützung von jemand, der sich damit auskannte (wer schon mal am Messevortag versucht hat, Tonnen an Hardware zum Stand zu karren, weiß wovon ich rede).

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