Die Sache mit dem Telefon

Als ich mich durch die Liste der „This is how I work“-Beiträge klickte (Übersichten unter anderem hier, hier und hier), fiel mir auf, dass eine ganze Reihe von Bloggern, von denen ich es nicht vermutet hatte, erzählten, ungern zu telefonieren.

Vielleicht kann ich das aus meiner Warte erklären. Auch ich bin selbst keiner, der eine Rede-Flachrate brauchen geschweige denn ausnutzen würde (Spötter könnten es „maulfaul“ nennen). Ich wunderte mich als Jugendlicher schon, wie sich meine Schwester stundenlang mit ihrer Freundin unterhalten konnte (damals durchaus auch ein finanzielles Thema), während ich mit meinen Kumpels meist höchstens eine Minute kommunizierte („Heute um 3?“ „Bei mir oder dir?“ „Bei dir!“ „OK, bis dann!“).

Als ich mein erstes Vorstellungsgespräch für einen Job in einer Redaktion hatte, weiß ich noch, dass der Chefredakteur mir damals erzählte, dass meine Aufgabe nur zu einem kleinen Teil aus Software probieren und drüber schreiben bestehen würde. Den größten Teil nehme das Telefonieren und Einholen von Informationen ein. Das bereitete mir (jetzt kann ich es ja sagen, Rainer) große Sorgen und ich wusste nicht, ob ich dazu in der Lage sein würde ob meiner unterentwickelten Redseligkeit.

Nungut, zu der Zeit gab es das Internet in dieser Form noch nicht, da war tatsächlich telefonische Recherche notwendig neben der Bestellung der Geräte. Alles, wozu heute Google und Mail benutzt werden. Meine Theorie ist ja, dass E-Mail und SMS vor allem deswegen extensiv verwendet werden, weil viele so ungern telefonieren.

Am Telefon muss man nämlich die Hosen runterlassen, sagen was Sache ist und zu seinem Wort stehen. Ohne Verzögerung. Frage. Antwort. Deswegen benutze ich auch heute gerne das Telefon, wenn es verbindlich sein soll, wenn ich sicher gehen will, denjenigen auch zu erreichen und die Zusage zu erhalten. Zum Beispiel bei der Buchung von Hotelzimmern. Ich weiß noch, dass ich in Chicago gestrandet war, weil die Online-Buchung sowohl von Mietauto als auch Hotel fürchterbar daneben gegangen waren.

(Zu der Zeit lief im US-Fernsehen gerade Chicago Hope mit der Folge, in der Klinik-Rechtsanwalt Alan Birk – gespielt von Peter MacNicol – von Jugendlichen erschossen wurde. Das hat mich in meinem Ersatzzimmer nicht aufgemuntert. Aber ich schweife ab)

Und weiI ich die Verweigerungshaltung am Telefon genau kenne, lasse mich nicht auf die Verleugnespielchen ein und erkenne aus eigener Erfahrung sofort jede Ausrede oder Anzeichen von „Haschmich“-Verhalten, (wenn der Gesprächspartner nicht erreicht werden will). Vielleicht telefonieren wir Ungerntelefonierer deswegen auch am besten.

Sport ist Mord (I)

Sport in Deutschland, das ist eine ernste Angelegenheit, bei der die Freude im Hintergrund steht. So habe ich es seit frühester Kindheit gelernt. Meine Familie war nie besonders sportlich.

In der Grundschule fand kein Sport statt, weil die Turnhalle nicht zur Verfügung stand. Im Gymnasium kam dafür die Quittung: in den ersten drei Jahren hatte ich nur eine Fünf in Sport, später meistens eine Vier.

Schwimmen habe ich selbst erst mit 12 gelernt, Fahrrad fahren mit 16. Aber wir hatten kein Auto, sind viel zu Fuß gegangen und im Urlaub viel gewandert, und meine Schwester und ich gingen auch gerne mit.

Überall steht beim Sport nur die Leistung im Vordergrund und nicht die Freude am Sport an sich. Nehmen wir zum Beispiel das Laufen (da kann ich mitreden). Überall hetzt man über die Laufbänder, durch den Park und woanders. Bei Marathon-Rennen in Deutschland wird, wer die Strecke nicht in sechs Stunden schafft, von einem sogenannten „Besenwagen“ aufgesammelt.

Die Meute hetzt dermaßen über den Parkours, dass schon nach der Hälfte der Strecke nur leere Straßenschluchten übrig bleiben. Überall steht beim Sport einer mit einer Stoppuhr. Wieder Freude an Bewegung? Die wird einem gründlich ausgetrieben.

Ich lasse sie mir jedoch nicht nehmen und betreibe meinen eigenen „Slow Sport“. Ich laufe die 5 km in einer Stunde und fühle mich gut dabei. Und mein Körper auch: in den letzten Jahren keine nennenswerten Krankheiten.

Über Fußball, Fahrradfahren und Schwimmen erzähle ich noch gesondert.

This is how I work

Blogger-Typ: Im Idealfall wäre ich ein regelmäßig schreibender Blogger, der mit seinem konstanten Fluss der Gedanken sein Hauptblog und die vielen Nebenblogs permanent mit Inhalten bereichert. Statt dessen arbeite ich eher konvulsivisch, das heißt, mich rammt die Muse, und ich produziere in kurzer Zeit viel Output, um dann auch längere Zeit alles wieder mal brach liegen zu lassen. Immerhin gibt es eine Konstante: nach dieser Betrachtungsweise gibt es dieses Blog schon fast 12 Jahre.

Gerät­schaf­ten digi­tal: Ein Atombetriebenes U-Boot Netbook mit 2 GB und Windows 7, das ich auch mitnehmen kann und sich besser schlägt als vermutet. Es beerbt einen älteren Toshiba-Tablet-PC, dessen Tablet-Display sowieso wegen Hintergrundlichtausfall in dieser Funktion unbrauchbar wurde. Ihn sekundiert ein iPad, aber nur zum schnellen Informationen abgreifen, nicht als Produktivsystem. Und telefoniert wird mobil mit dem iPhone 5. Für Fotos gibt es eine Canon EOS 600, die aber noch nicht lange dabei ist.

Gerät­schaf­ten ana­log: Für Notizen hab ich einen A5-Packen gebrauchtes Papier hier liegen – A5, weil dann sicher ist, dass die Rückseite nicht wertvolle Informationen enthält. Als Stifte benutze ich einen Füller sowie Bunt- und Bleistifte – ich hasse Kugelschreiber. Und beim Füller schwöre ich auf die Marke meiner Jugend: Pelikan!

Arbeits­weise: Just do it. Eine Idee muss sofort in den PC, sonst wird sie schnell sauer, eventuell lasse ich ihr noch eine Nacht der Reife, aber ich habe die Erfahrung gemacht: was länger liegen bleibt, überholt sich schnell.

Wel­che Tools nutzt du zum Blog­gen, Recher­chie­ren und Bookmark-Verwaltung? WordPress und Blogedit. Ich verwalte meine Bookmarks nicht.

Wo sam­melst du deine Blogideen? Ich sammle so gut wie keine Ideen, sondern versuche, sie direkt umzusetzen.

Was ist dein bes­ter Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet? Das Zauberwort heißt: SOFORT.

Benutzt du eine To-Do-List-App? Ja, liebevoll TADA-Liste genannt. Aber da kommen nur die gerade wichtigen Erledigungen drauf. Ich verwalte sie im PC mit Outlook, von mir liebevoll Auswurf genannt.

Gibt es neben Tele­fon und Com­pu­ter ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst? Ich brauche ein Fortbewegungsmittel. Das ist im Idealfall ein Auto, gerne aber auch ein Fahrrad (zurzeit eines mit Elektroantrieb. Das lässt einen auf kurzen bis mittleren Strecken das Auto vergessen). Zweites wichtiges Utensil: die Senseo-Kaffeemaschine mit den Tassen, in die immer die doppelte Ladung hineinpasst.

Gibt es etwas, das du bes­ser kannst als andere? Ob ich es besser kann als alle anderen, weiß ich nicht, aber beim Schreiben ernte ich immer wieder Lob, mit dem ich in der Tiefe nicht rechne. Und ich bin maschinen-empathisch, ich kann fühlen, warum etwas nicht funktioniert.

Was beglei­tet dich musi­ka­lisch beim Bloggen? Webradio mit drei Sendern im Wechsel: 1.fm Disco Ball, sunshine live und Soma.fm Illinois Street Lounge (klassische Ballroom-Dancing-Musik).

Wie ist dein Schlafrhyth­mus – Eule oder Lerche? Früher war ich Eule, heute bin ich Lerche. Fakt ist: ich brauche mindestens sieben Stunden Schlaf, um ordentlich zu funktionieren. Und die liegen am praktischsten zwischen 23 Uhr und 6 Uhr früh.

Eher intro­ver­tiert oder extrovertiert? Ich bin wohl eher introvertiert. Dennoch äußere ich mich auch gerne mal öffentlich.

Wer sollte diese Fra­gen auch beantworten? Alle, die Lust haben.

Der beste Rat, den du je bekom­men hast? Bleiben Sie beharrlich.

Noch irgend­was wichtiges? Ja. Facebook und Twitter benutze ich genauso gerne wie ich blogge, aber keines ist der Ersatz dafür. Und ich trenne bewusst nicht zwischen Beruflichem und Privatem. Die Grenze ist bei mir fließend, und bei beidem gibt es Dinge, über die ich auf keiner der öffentlichen Plattformen schreibe oder Bilder veröffentliche. Über viele Dinge ist ja auch genug geschrieben worden, wenn auch noch nicht von jedem…

Star Trek Into Darkness

Nach etwas über einer Stunde kommt der Flashback, und ich musste lachen. Da hat J.J. Abrams es tatsächlich geschafft, einen ins Kino zu locken, damit man eine (jetzt hätte ich doch beinahe sattsam geschrieben) bekannte Geschichte nochmal neu erzählt bekommt. In 3D, mit Lens-Flare-Effekten, lustigen Dialogen und einer Enterprise, deren Innereien wirken wie eine Mischung aus Bierbrauerei und Atomkraftwerk. Mit vielen Twists und natürlich noch mehr neuen Elementen. Ansonsten gibt es kaum eine ruhige Minute. Die Effekte sind bombastisch, die Explosionen atemberaubend. Nur das 3D ist mir zu flach, was aber wohl daran liegt, dass es nachträglich appliziert wurde (und Kirk nuschelt im Original ja fast schlimmer als Til Schweiger…).

In diesem Film zu sitzen ruft bei mir ein merkwürdiges Gefühl hervor: man sieht Figuren, die man schon seit der Kindheit kennt in einem bis an den Rand gepackten Actionfilm, der einen Teile der Geschichte seiner Protagonisten neu erleben lässt. So, als würde man sein eigenes Leben nochmal in 3D und mit perfekter Technik neu leben dürfen (but hey: it’s just a freakin‘ movie).

Und selbst das Dejavu ist ein Dejavu: von dem Moment in Star Trek I (und ich rede hier von The Movie, also dem ersten Kinofilm mit der TV-Seriencrew), als wir vor etwa 35 Jahren die bereits hundertmal auf dem Fernsehen gesehenen Figuren in der schönen dunklen Kinokulisse tatsächlich von rechts nach links laufen sah und die Gesichter so groß. Diese Faszination haben die Next-Generation-Filme nie hinbekommen, auch weil es man da schon gewohnt war, aber die Reboot-Filme schon, der neueste Into Darkness noch mehr als der erste, was mich schon verblüffte.

Und es lässt einen merkwürdig ambivalent zurück. Was folgt als nächstes? Gibt es doch eine neue TV-Serie? Oder eine der anderen Storys neu erzählt? Will man das eigentlich? Was man auf jeden Fall will: Das Familiäre der Kino-Star-Trek-Crew, eigentlich jeder Star-Trek-Crew bewahren, denn das ist auch das Besondere, das diesen Franchise ausmacht.

Als alter Nitpicker fallen mir ja schon einige Dinge auf: der klassische Communicator hat ja ne tolle Reichweite, wenn man quer durchs Universum von der klingonischen Heimatwelt zu einer Bar auf der Erde funken kann. Außerdem: für ein genetisches Superwesen hat John Harrison ein schlechtes Gebiss (beobachtete meine Begleitung). Witzig fand ich dagegen die Volksarmee-Schirmmützen der Sternenflotte. Überhaupt hat sie ja seit dem „Reboot“ etwas Go-West-Haftes bekommen, mit den Parteitagsähnlichen Versammlungen und den Uniformen, die mehr an russische Offiziere erinnern als an Sternenflottenadmiräle.

Kritik von Thomas Gigold (Vorsicht: Spoiler!)