Die Zeit der Gurus ist vorbei

Vor einigen Jahren, es muss kurz vor der Jahrtausendwende gewesen sein, kamen plötzlich aus allen Ecken die Lebensgurus gekrochen. Sie wissen schon, die Menschen, die einem erzählen, wie man schön, schlank, gesund, reich und glücklich werden kann, seine Zeit immer im Griff hat, alles erledigt bekommt, das Bankkonto füllt (in sieben Jahren zur Million!).

In den Hochzeiten füllten diese Lebensdompteure mit ihren Veranstaltungen halbe Fussballstadien. Ich glaube, außer dem Thema Sex und Promis erzählen aus ihrem verkorksten Leben gab es keine Buchsparte, die so viel Gewinn abwirft (man lese hierzu unbedingt Gott ist mein Broker von Tom Twyker).

Doch es ist still geworden um die Ratgeber. Und das sieht man auch an den ehemaligen Stars der Branche. Der „Zeitmanagement“-Papst hat jetzt ein Buch geschrieben, das sogar vielen seiner ehemaligen Thesen widerspricht. Ein anderer, der auch „Moneycoach“ genannt wurde, hat sich schon vor Jahren zurückgezogen und gibt nur noch homöopatische Dosen seiner Audienz.

Die Menschen brauchen und wollen keine Tipps mehr, keine Rezepte, keine Anleitungen, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen. Ich zumindest nicht. Ich bin müde, den soundsovielten Trick, wie ich meine Ziele erreiche, auszuprobieren, um dann festzustellen: Mit genügend gesundem Menschenverstand, dem Vertrauen auf das Bauchgefühl und vor allem viel Liebe geht es auch, wenn nicht sogar besser.

Sport ist Mord (III)

Wenn mich jemand fragen würde, welches meine liebste Sportart ist, würde ich sagen: Fahrrad fahren. Dabei habe ich das erst mit 16 gelernt. Ich weiß nicht, warum. Aber wir sind tatsächlich ohne Fortbewegungsmittel mit Rollen groß geworden. Kein Roller, keine Rollschuhe, kein Fahrrad.

Als Kind, das nicht Fahrrad fährt, bist du bei allen, die das doch tun, sowas von außen vor. Bei meinen Freunden natürlich nicht, die haben sogar versucht, mir das öfter beizubringen. Doch es schaffte erst meine Schwester zusammen mit ihrer Freundin, als ich 16 Jahre alt war.

Trotzdem fehlt mir etwas, was ich als „Bewegungssozialisierung“ bezeichnen würde. Auf Roll- oder Schlittschuhen bin ich vollkommen verloren. Schwerere Zweiräder würde ich auch ungern führen. Und die natürliche Schwingbewegung beim Rollerfahren bekomme ich auch nicht hin, weil ich dabei denke, und das darf man nicht. Hier gilt wie sonst nirgendwo: was Thommy nicht lernt, lernt Thomas nimmermehr.

Aber ich habe ja noch das Fahrradfahren. Zwar muss ich jederzeit mit den Füßen Bodenkontakt bekommen, zu hoch darf der Sattel nicht eingestellt sein. Aber in punkto Effektivität und leichtes Vorwärtskommen ist das unschlagbar und löst in mir sogar Glücksmomente aus, was ich nie zugegeben oder verstanden habe, bis mir jemand von ähnlichen Gefühlen nach einer überwundenen Kinderlähmung berichtete, wenn er nur geht.