Mein anderes Leben

Manche Menschen sind ja überzeugt, dass es nicht nur die eine Realität gibt, die wir gerade erleben, sondern gleichzeitig viele Paralleluniversen, in denen unsere Entscheidungen in eine andere Richtung gehen und sich daraufhin auch das Leben anschließend anders entwickelt. Es gibt auch einige Filme und immer gerne wieder TV-Serienfolgen, die thematisieren das Was wäre gewesen wenn, wie Ist das Leben nicht schön, Family Man mit Nicolas Cage sowie die Star-Trek-Next-Generation-Folge Parallelen.

Noch interessanter ist es, wenn man bereits einen Schritt in eine Richtung getan hat und anschließend einen Rückzieher macht, der unter Umständen Konsequenzen zur Folge hat. Der Klassiker sind hier die sitzengelassenen Bräute und Bräutigame auf Hochzeitsfeiern. Ich überlege mir manchmal auch, wie das Leben aussähe, wenn ich einige Dinge durchgezogen und nicht aufgegeben hätte. Die Liste umfasst keine Gedankenexperimente, sondern das „andere Leben“ habe ich schon mehr oder weniger weit gelebt. Deswegen sind sie auch weniger hochtrabend, als man vielleicht anhand der Überschrift vermuten könnte. Trotzdem finde ich interessant, was hätte sein können

Bei solchen Dingen muss ich mir wie bei den kleinen Entscheidungen, die man täglich richtig oder falsch trifft oder auch „Schickssalsereignisse“ wie Unfall oder Krankheit, immer wieder bewusst machen: meine Zeitmaschine ist kaputt. Es nützt nichts, sich darüber zu ärgern oder großartige Ausreden zu suchen.

  • Ich bin ein Architekt. Ich habe nach Abitur und Bundeswehr sowie einem Studienjahr Elektrotechnik an der Uni-GH Siegen (sozusagen ein anderes Leben in einem anderen Leben) seit 1984 bis in die Neunziger Architektur an der FH Köln studiert. Ich bin sogar recht weit gekommen, mir fehlten zum Schluss nur ein paar Prüfungen (darunter auch die entscheidende in Entwerfen). Ich bedaure jetzt noch, nicht wenigstens das zu Ende geführt zu haben, doch beruflich war ich zu der Zeit so eingespannt, dass ich die Architektur dann aufgegeben habe. Doch im Leben ist nichts umsonst: immerhin habe ich das Haus, in dem wir wohnen, selbst entworfen und den Bau überwacht.
  • Stichwort Haus: Wir besitzen ein Hosby-Haus. Das ist ein Hersteller, der sich auf Häuser im dänischen Stil spezialisiert hatte. Bei dem waren wir gelandet, während wir uns die Ausstellung von Fertigbauten in Wuppertal anschauten. Die Verkäuferin machte uns ein verlockendes Angebot: Wenn wir sofort kaufen, könnten wir noch die bessere Ausstattung erhalten, ab morgen sei es teurer. Wir unterschrieben. Anschließend besuchten wir ein solches Haus, das wir gekauft hatten. Als wir sahen, wie eng es darin war, traten wir innerhalb der entsprechenden Frist vom Kauf zurück.
  • Das Haus steht in Pulheim. Wir wollten immer schon mal bauen und waren durch Zufall an ein günstiges Baugrundstück in einer Einfamilienhaussiedlung in Pulheim geraten. Das kauften wir und besaßen es einige Jahre. Allerdings befand sich über dem Grundstück eine Starkstromleitung, und die Nachbarschaft erwies sich auch als unfreundlich, als wir dort einige Male aufkreuzten, um nach dem Rechten zu sehen. Zum Glück konnten wir es mit etwas Gewinn wieder verkaufen, als uns angeboten wurde, unser jetziges Haus auf dem Grundstück meiner Schwiegereltern hinzustellen.

Dann gibt es noch verschiedene kleinere Dinge, wo wir einen Rückzieher machten, wie etwa die Reise, die wir nicht antraten, weil das Hinterland von Belgien doch nicht so der Bringer in punkto Erholung zu sein schien oder die Heizung, die uns ein redseliger Verkäufer in einer schwachen Stunde aufschwatzte (und die wir auch innerhalb der Frist stornierten).

Es gehört häufig mehr Mut dazu, eine Entscheidung zu ändern als ihr treu zu bleiben.

Du musst dir selbst genug sein

Ich bin selbst mein bester Kunde. Zumindest, was die Autorentätigkeit betrifft. Ich lese meine Texte auch nach Jahren immer wieder gerne und erinnere mich häufig genau an die Umstände, unter denen sie entstanden sind.

Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass wir unsere Arbeit vor allem und zuerst für uns selbst tun. Ich muss in meinem Publikum sitzen und der sein, der als erstes und am lautesten applaudiert. Virtuell gesprochen natürlich. Dann wird das Ergebnis so gut, dass andere es gut finden, zerreißen, ignorieren können oder was auch immer. Ich bin damit zufrieden, und es ist gut so. Das ist mein Maßstab. Nicht nur für Blogeinträge.

Meine Pferdemännchenkarriere (kind of)

Eine Karriere hat bei uns nie stattgefunden. Wie schon mal dargestellt waren wir nie die Sportlerfamilie, und auch so hatten weder meine Schwester noch ich viel mit Pferden am Hut. Insofern nur zwei kurze Episoden, damit in diesem Besinnungsaufsatz wenigstens die Worte Pferde und Reiten vorkommen.

Das spannendste Erlebnis hatte ich nicht auf dem Rücken, sondern neben dem Hinterteil eines Pferdes. Das trat mir mit dem Hinterbein ordentlich auf den Fuß – seine Art, mir genervt mitzuteilen, mein Hund möge doch endlich aufhören, es ununterbrochen anzukläffen. Zum Glück tat es nur weh und war nichts gebrochen. Im Nachhinein fand ich das sogar vergleichsweise höflich.

Mein einziger Ritt endete nach vier Sekunden, und das war auch auf keinem richtigen Pferd, sondern auf einem Elektrobullen, denn ein US-Grafikkartenhersteller im Münchner Hofbräuhaus aufgestellt hatte. Ich hatte mir sogar extra ein Cowboyhemd angezogen und einen passenden Hut besorgt. Zum Glück habe ich keine weiteren Erinnerungen an diesen Ausritt.

Beitrag zur Blogparade bei Anne Schüßler.