Billig und eine Überraschung

Bald ist der Spuk wieder vorbei, der Kerzenrauch hat sich gelegt, und übrig bleiben viele Menschen mit noch mehr Geschenken. Wobei nicht jeder wirklich glücklich damit ist. Warum eigentlich? Weil keiner mehr das Schenken ernst nimmt. Es gibt mehrere Ebenen des Schenkens.

In der untersten gibt es kein Geschenk. Meine Eltern sagten früher, wenn wir fragten, was es zu Weihnachten gibt: „Nix. Das ist billig und eine Überraschung.“ (wobei letzteres Argument damit schon hinfällig war). Tatsächlich schenken viele Menschen anderen gar nichts, weil sie doch nix passendes gefunden hätten, kein Geld da sei – die Liste der Entschuldigungen ist so lang wie die, warum man zu spät zur Arbeit kommt.

Die zweite Ebene ist das Geldgeschenk. Damit gibt man dem anderen wenigstens etwas, ohne die Verpflichtung, sich über das Geschenk an sich Gedanken machen zu müssen. Andererseits wünschen sich viele Menschen auch Geld, damit sie sich nicht etwas bekommen, was sie nachher gar nicht wollen.

Nur knapp über dem Geldgeschenk residiert der Gutschein. Er gibt vor, dass man sich Gedanken gemacht habe, sagt aber: ich habe eine leise Ahnung, was du magst, aber es ist einfacher, wenn du dir das dann selbst aussuchst. Wenn es sich um eine nicht gegen Geld tauschbare Variante handelt, gewährleistet er auch, dass der Beschenkte sich nicht etwas holt, womit der Schenker nicht einverstanden wäre.

Einen soliden Mittelplatz (und leider nicht die Spitze, wie man annehmen könnte) sichert sich das Wunschgeschenk. Vor Weihnachten wird man gefragt, was man gerne hätte. Das Wunschgeschenk gibt es in drei Varianten:

  • Man sagt, was man will, darf es sich dann aber selbst vorher kaufen (bezahlen muss man natürlich nicht). Das befreit den Schenker von jeder Mühe.
  • Es gibt eine genaue Vorgabe mit Typenname und Art. Birgt das Risiko, dass es das Geschenk so nicht gab. Dann bekommt man doch etwas anderes oder die Kaffeemaschine in pink statt in schwarz.
  • Etwas besser: Es wird nur die Richtung vorgegeben, aber der Schenker muss es selbst aussuchen. So hat man allerdings leider das Risiko, doch nicht das zu bekommen, was man wollte.

Am besten ist immer noch das Geschenk ohne Fragen. Das richtige zu finden ist natürlich umso schwieriger, je seltener man Kontakt hat – doch unmöglich ist es nicht. Es macht auch den meisten Spaß herauszufinden, was eventuell passen könnte.

Stichwort: eventuell kommt dabei etwas auf den Gabentisch, was vollkommen daneben liegt, aber immerhin wurde sich Gedanken gemacht. Hoffentlich. Denn es gibt auch die Variante, bei der die Gedanken vollkommen daneben liegen, und das schon seit Jahren.

An höchster Stelle residiert das Selbstgeschenk. Man gönnt sich etwas, das man sich das Jahr über normalerweise nicht leisten würde. Das funktioniert natürlich nur, wenn man nicht ständig seinen Kaufgelüsten nachgibt.

Einen Tipp noch für Beschenkte: Nicht bewerten. Freuen Sie sich über egal was Sie bekommen. Es ist nur ein Geschenk. Genießen Sie die gemeinsame Zeit. Wer sich über Geschenke ärgert, vergeudet Lebensenergie.

Horror Vacui

Die Blogparade ist quasi in Zeiten des Blogstöckchens der „1-Frage-Balken“, und gefragt hat PR-Doktor Kerstin Hoffmann:

„Was tun Sie gegen eine Schreibblockade?“

…oder „die Angst vor der Leere“ (des Blattes/der Seite in Word, Übersetzung des lateinischen Artikeltitels). Meine Antwort: Es gibt mehrere Methoden, ich nehme die gerade meinem Gemütszustand am passenden erscheinende.

  • Von Vera F. Birkenbihl stammt die ABC-Liste. Man schreibt von A-Z alle Begriffe auf, die einem rund um das Thema einfallen, über das man schreiben muss. Das gibt einem – besser als ein führerloses Brainstorming – Anknüpfungspunkte, mit denen man loslegen kann.
  • Punch the keys! Diesen Ratschlag aus dem Film Finding Forrester kann ich nur bestätigen. Man muss einfach drauf los schreiben, egal was rauskommt. Feilen, korrigieren, kürzen, ausschmücken kann man hinterher immer noch. Schreiben Sie los, und lassen Sie zu, dass der Gedankenfluss ungehemmt in die Tastatur fließen kann. Filtern Sie nicht, und wenn Sie hinterher 90 Prozent wegwerfen müssen – die 10 Prozent werden es auf jeden Fall wert sein.





  • Ein Text ist seltenst ein „Vorne-anfangen-hinten-aufhören“-Projekt. Ich beginne, indem ich schon mal aufschreibe, was ich weiß, was feststeht. Das kann im banalsten Fall eine Auflistung von Geräten sein, über die ich schreibe. Egal. Hauptsache, da steht irgendetwas. Dann wächst der Rest meist von selbst (siehe auch voriger Tipp).
  • Es gibt diese Texte über Themen, von denen hat man sowas von keine Ahnung, aber der Auftraggeber hält einen für den Guru auf diesem Gebiet, und wie heißt es so schön: Wem Gott ein Amt gibt (oder wem er einen Auftrag verschafft), dem gibt er auch den Verstand. Sie haben sich zwar Ihre tragbare Festplatte mit Unterlagen vollgegoogelt, doch das hilft ihnen für einen Ansatz auch nicht weiter. Jetzt der heiße Tipp: Fragen Sie jemand, der auch keine Ahnung von dem Thema hat. Was interessiert an dem Thema. Was würde sie oder er wissen wollen. Was ist vielleicht schon bekannt?

Es kann sein, dass der eine oder andere Tipp schon von anderen Paradeteilnehmern aufgegriffen wurde – umso besser! Dann wissen Sie, das da auch was dran sein muss. Wichtig: Probieren Sie aus, ob die Methode für Sie funktionieren kann oder nicht – und wenn nicht, nehmen Sie die nächste! Wie bei Abnehmtipps glaube ich fest daran, dass es die eine geniale Methode für alle nicht geben kann, aber das für jeden Menschen eine existiert, die gut funktioniert. Man muss sie nur selbst finden.

10 Antworten, 10 Blogs, 10 Fragen

Johannes initiierte ein Online-Pyramidenspiel. Irgendwie sowas. Mal schauen, was dabei heraus kommt. Meine Antworten stehen in kursiv unter den Fragen.

  1. Was ist deine Mei­nung zum Berlin/Bonn-Gesetz?
    ABM für Bahn und Lufthansa. Ich möchte die Reise-/Kommunikationskosten für diese Maßnahme nicht kennen, vom sonstigen überflüssigen Aufwand im Laufe der Jahre abgesehen. Im Übrigen halte ich es für einen eklatanten Fehler und eine Verschwendung von Steuergeldern, dass Berlin wieder zur Bundeshauptstadt wurde.
  2. Hast du der­zeit ein Ehren­amt? Oder sogar meh­rere? Welche(s)? Warum?
    Nein. Zu wenig Zeit und kein Amt in der Nähe, das einen Einsatz im Augenblick rechtfertigen würde.
  3. Wie ist dein Ver­hält­nis zum Telefonieren?
    Ich hab da schon mal was zu referiert. Tadadingding (oder wie die Abkürzung für Zusammenfassung lautet): Ich telefoniere gerne, aber nicht gerne lange, und halte das für direkter, verbindlicher und zupackender als (andere) elektronische Formen der Kommunikation.
  4. Was ist deine Ein­stel­lung zur Femen-Bewe­gung?
    Ich habe keine. Ich erlaube mir, bestimmte Dinge nicht zu beachten oder bewerten.
  5. Hei­ra­ten: Eine über­holte Tra­di­tion, ein schö­ner Lie­bes­be­weis, ein läs­ti­ges Muss oder was?
    Eine gegenseitige Versicherung des Vertrauens.
  6. Schätze mal bitte: Wie viel Pro­zent dei­ner Freunde und Bekann­ten kennst du aus den fol­gen­den sozia­len Umfeldern:
    1. Von der Aus­bil­dung, Schule, Uni etc.?
      10%
    2. Aus der Arbeit?
      20%
    3. Über das Internet?
      10%
    4. Über dei­nen Partner/deine Part­ne­rin? (Auch: ehe­ma­lige Partner.)
      10%
    5. Wo ganz anders her?
      50%
  7. Wel­che Erklä­rung hast du für die Ver­tei­lung in der vor­he­ri­gen Frage?
    Es zeigt, wo meine Prioritäten liegen. Beziehungsweise, dass diese ständig divergieren.
  8. Wor­aus besteht dein Früh­stück an einem typi­schen Wochentag?
    Wechselweise gepimptes Müsli (normales mit zusätzlichen Trockenfrüchten) mit Milch oder Brot/Brötchen mit Belag, wobei immer Honig dabei sein muss. In jedem Fall Kaffee mit Milch.
  9. Hast du eine oder meh­rere Zeit­schrif­ten abon­niert? Wel­che, seit wann und warum?
    Nur die c’t wegen der Vergünstigungen (Online-Archiv). Programmzeitung und andere PC-Zeitungen kaufe ich lieber selbst, und die Tageszeitung nur zweimal die Woche, nämlich Donnerstag und Samstag.
  10. „E plu­ri­bus unum“, wie ein gewis­ser Karl-Theodor Frhr. zu Gut­ten­berg in sei­ner her­vor­ra­gen­den Dok­tor­ar­beit geschrie­ben hat. Sind die „Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Europa“, also eine EU nach USA-Vorbild, dei­ner Mei­nung nach eine rea­li­sier­bare Vision? Oder kann Europa nie­mals eine Nation mit einer Zen­tral­re­gie­rung und eige­ner Ver­fas­sung wer­den? Warum?
    Obwohl ich ein totaler Europa-Fan bin, glaube ich, dass es noch einen langen Weg bräuchte. Die Partnerländer sind auch (und je mehr dazu kommen, um so mehr) zu unterschiedlich in Mentalität, Wirtschaftskraft etc., um eine USE zu realisieren. Schade, eigentlich.

Die zehn BloggerInnen, denen ich Fragen stellen möchte, sind „altgedient“. Sie waren also gerüchteweise sogar schon in den ominösen finnischen Clubs dabei. Als der Rest des Internet noch Benjamin Blümchen gehört hat. Da ich nicht weiß, ob sie mich (noch) lesen, werde ich sie einmal über den Link unten anpingen, oder sie bekommen es mit, wenn ich diesen Artikel in Facebook erwähne. Den Rest mögen die Online-Götter besorgen (oder auch nicht). Ich würde mich jedenfalls freuen.

Wenn von woanders auch so ein Stöckchen kam, bekomme ich das nicht immer mit. Theoretisch müssten die zehn das auch genauso verteilen wie ich und viele andere. Ich selbst bestehe aber nicht darauf. Trotzdem fände ich die Antworten spannend.

  1. Anke Tröder
  2. Claudia Klinger
  3. Frank Lachmann
  4. Günter Hack
  5. Kai Pahl
  6. Peter Praschl
  7. Rainer Bartel
  8. Ralf G.
  9. Ronsens
  10. Spackonauten

Die zehn Fragen:

  1. Blogst du heute genauso gerne wie am Anfang?
  2. Ich weiß, es ist nicht immer einfach, den Zeitaufwand für das Bloggen zu beziffern. Falls es doch geht, hätte ich gerne eine Prozentangabe bezogen auf die gesamte Zeit, die du im Internet bist. Und geradezu glücklich wäre ich, wenn du auch noch Facebook, Twitter oder Google plus mit Prozenten angeben könntest.
  3. Hast du jemals einen beruflichen oder persönlichen Vor- oder Nachteil aus der Bloggerei gehabt? (also Freund/Freundin gefunden oder verloren, Traumjob dito etc.)
  4. Was hat sich gegenüber früher außer den üblichen Sachen (es gibt jetzt mehr Blogger, aber es gibt auch Facebook, Twitter, Google +, etc…) noch für dich und/oder allgemein geändert?
  5. Siehst du Vorteile von Facebook, Google plus und Twitter gegenüber Blogs? Wenn ja, wo?
  6. Gibt es geheime Projekte/Blogs/Identitäten von dir im Netz? Zur Not reicht ein Ja. Gerne darfst du auch Verrat begehen…
  7. Was inspiriert dich beim oder zum Bloggen? Musik? Stille? Caféathmosphäre? Kleine Kinder? Katzen?…
  8. Was nervt dich am Internet allgemein und/oder an der Bloggerei im Besonderen?
  9. Wie stehst du zu Kommentaren? Gibt es sie, schenkst du ihnen Beachtung, moderierst du oder nicht… etc.
  10. Wie liest du Bücher und Zeitungen am liebsten? Auf Papier oder elektronisch? Gemischt? eBook-Reader, Tablet oder Smartphone? Gerne mit Begründung.

20 facts about me (plus bonustracks)

Ich hab da mal nen Stock gefunden. Sowas kann ich nur schwer links liegen lassen. Wer solche Listen doof findet, kann ja zu was Erbaulichem surfen. Wer sich nicht für meine Liste interessiert, am Ende gibt es eine Liste von anderen 20er-Listen.

  1. Als Kind glaubte ich, als Erwachsener ist man immer irgendwie krank und muss Medizin nehmen. Jetzt, wo ich langsam selbst in das Alter komme, stelle ich fest: tatsächlich ist das bei vielen anderen Menschen so, nur bei mir nicht. (Treppenwitz: in dieser Woche, wo ich diesen Eintrag schreibe, haut’s mich nieder).
  2. Als Kind wollte ich nicht richtig essen. Man hat mir die Brote kleingeschnitten, mich zur Kur geschickt, offensichtlich hat nichts geholfen. Auch so ein Problem, dass sich heutzutage nicht mehr stellt.
  3. Als Kind (in so eine Liste gehören ministens drei „als Kind“, oder?) durften wir (meine Schwester und ich) keine Comics lesen. Als wir mal bei meinem Cousin waren, der viele hundert Zack-Hefte besaß, haben wir deren kompletten Bestand an einem halben Tag inhaliert.
  4. Ich kann euch nicht riechen. Nein, das kann ich wirklich nicht. Wann mir der Geruchsinn abhanden kam, weiß ich nicht, ich verdächtige eine Polypen-Operation in früher Kindheit. Das führt zu einigen Phänomenen wie dass ich mich peinlich genau an Mindesthaltbarkeitsdaten orientiere und nichts Abgelaufenes esse.
  5. Ich mag keinen Pudding und keine Speisen damit. Nix, nada niente. Und Eis auch nur in kleineren Mengen. Als Kind wäre ich wahrscheinlich der Traum meiner Eltern gewesen. Zumindest essenstechnisch. Obwohl: siehe 2.
  6. Ich rauchte nie. Ich hatte als Kind mein eigenes Schockbilderlebnis, als in einem Lehrfilm des DRK mal gezeigt wurde, wie ein Raucherbein abgenommen wurde.
  7. Ich trinke keinen Alkohol mehr. Als ich das dennoch noch mal probierte, ging es mir nicht gut. Also lass ich es sein. Ich kann das nur empfehlen.
  8. Ich bin einmal durch meine praktische Führerscheinprüfung gefallen. Meine Großeltern, die den Führerschein sponsorten, hatten dafür überhaupt kein Verständnis, nach 30 abgelegten Stunden. Im nächsten Versuch hat es dann funktioniert. Tatsächlich habe ich viele Prüfungen erst im zweiten Anlauf geschafft. Die Aufregung ist einfach so groß, dass ich nicht immer in der Lage bin, die Leistung auch abzurufen.
  9. Ich glaube an die Unendlichkeit. Also jetzt nicht im religiösen Sinne, dass ich einen Schrein mit einer liegenden 8 besitze (obwohl: eine Idee wär das vielleicht…). Sondern daran, dass von guten Dingen immer reichlich vorhanden ist und man auch da dran kommt, wenn man sich nicht von anderen davon abhalten lässt. Mit einer solchen Haltung kommt man übrigens prima über manche Krise hinweg.
  10. Ich mag jede Art von Musik. Wirklich. Jede. Das heißt nicht, dass ich alle Musikstücke gut finde, die es auf der Welt gibt. Aber ich schließe nicht persé ein Genre (z. B. Hard Rock oder Klassik) aus.
  11. Ich würde mich nicht freiwillig in Situationen oder in Länder begeben, die mir nicht gefallen oder die gar lebensgefährlich für mich sind. So frage ich mich immer, wie Menschen sich Jahr für Jahr im gleichen Ferienort amüsieren können, obwohl das Hotel schlecht, das Essen mäßig, die Strände voll und die Preise hoch sind. Oder wieso viele meinen, sie müssten mal auf den Mount Everest gekraxelt sein. Ich will da nicht hin. Es gibt so viele schöne Orte auf der Welt, sogar direkt in der Nachbarschaft, da brauche ich mir die anstrengenden, die mir nicht gefallen werden, nicht zu geben.
  12. Ich besitze mehr Schuhe als meine Frau.
  13. Ich bin ein Rechtschreibfanatiker und schreibe automatisch korrekt, nur bei das/dass versagt meine integrierte Autokorrektur. So ein Mist, dass.
  14. Ich erkenne auch solche Fehler direkt und durfte deswegen in der Redaktion nicht auf die Andrucke der gerade aktuellen Zeitung schauen, da war immer was. Ich sehe allerdings meinen Lebenszweck nicht darin, andere auf diese Fehler aufmerksam zu machen.
  15. Ich glaube, dass die Zeit mir um eine Viertelstunde voraus ist – oder umgekehrt, dass ich bei vielen Dingen genau um diesen Zeitraum zu spät dran bin.
  16. Ich versuche, mich von immer mehr Dingen zu trennen und lösen und mit immer weniger auszukommen. Ich nenne das ANTIKEA: statt ein neues Regal zu kaufen, verschenke ich lieber die Bücher, die ich sowieso nicht mehr lese oder bei denen einmalige Lektüre ausreicht.
  17. Ich denke nicht, dass man die Intelligenz, Klugheit oder sonstige positive Eigenschaften daraus extrahieren kann, ob oder wie viel jemand liest und ob das Bücher sind. Ich kenne sehr nette Menschen, die wenig bis nichts lesen und mit denen ich mich hervorragend unterhalten konnte, durchaus auch über Hochgeistiges.
  18. Ich frage mich schon: wen interessieren persönliche Vorlieben, Eigenschaften und Erlebnisse von jemandem, den man in der Regel noch nie persönlich kennen gelernt hat. Bringt dem Leser so eine Liste den Verfasser näher? Oder weiter weg? Ach was weiß ich. Mir hat das Schreiben jedenfalls Spaß gemacht, und Selbsterkenntnis ist ja der erste Weg zur Besserung. Also habe ich diese Liste vor allem für mich selbst geschrieben. Wie ich ja auch glaube, dass man meist für sich selbst blogt.
  19. Ich mag Comic Sans.
  20. Ich habe in diesen zwanzig Fakten eine Lüge untergebracht. Aber vielleicht ist dieser Punkt ja auch schon die Lüge. Oder der davor? Wer kann das schon sagen? Waren das überhaupt alles Fakten? Wenn Sie jetzt durcheinander sind, fangen Sie einfach wieder von vorne an. Oder nehmen Sie sich eine der anderen Listen vor.

1ppm

Ach komm geh wech

Bandschublade

Behindertenparkplatz

Dasnuf

fraumeike

Geborgen wachsen

Hedoniker

isablog

Marcus Brown

Orbis Claudiae

Pop64

ronsens

serotonic

Vorspeisenplatte

Wirres

Die digitale Lüge

Dass der Computer sich in alle Bereiche des Lebens verbreitet und alles miteinander vernetzt ist, ist fast eine Binsenweisheit. Tatsächlich erstaunt mich immer wieder, wie viele Dinge mittlerweile von der EDV durchseucht sind bzw. ohne sie gar nicht mehr funktionieren würden, obwohl es vorher auch möglich war. So sah ich zuletzt einen Bericht über einen Milchhof, bei dem die Kühe nur deshalb so ertragreich eingesetzt sind, weil das Melken computergesteuert läuft. Mengen werden genau erfasst.

Die Technik lullt uns jedoch häufig auch ein: Man glaubt, da fast alles online erledigt werden kann, ist die zeitnahe Ausführung gewährleistet und der Informationsfluss sichergestellt. Welch. ein. Irrtum!

Denn die vermeintliche Vernetzung aller Lebensbereiche ist noch ein Mythos. Bis alles so reibungslos verläuft, wie uns die Technik das verspricht, ist es noch ein langer Weg. Ein längerer, als man vermuten mag. Dazu ein paar Beispiele.

Zwar sind inzwischen alle möglichen Behörden und Unternehmen miteinander verbunden. Doch gerade wenn es wichtig ist, erfolgt häufig kein Austausch der Daten. Oder wie ist es zu erklären, dass man bei einem Kinderzuschussantrag fast die gleichen Formulare nochmal ausfüllen musste, die vorher schon für das Arbeitslosengeld 2 abgefragt wurden?

Als eine Bekannte im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung bei der Polizei geladen war, dann aber doch nicht gehen musste, lag dieses Delikt (bei dem sie nicht Täterin, sondern nur Zeugin war) noch in Ihrer Akte und verhinderte beinahe die Freigabe im Rahmen einer Sicherheitsüberprüfung. Erst auf Nachfrage teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass das Verfahren eingestellt sei.

Es kann auch zugunsten der Beteiligten ausgehen: so gab es von einem Täter eine ganze Reihe von Delikten in benachbarten Bezirken, bei denen die eine Wache nicht mitbekam, was in der anderen aufgenommen wurde. Oder unterschiedliche Delikte (Gewalt/Diebstahl) wurden nicht miteinander in Beziehung gebracht. Fröhlich teilte die Staatsanwaltschaft gleich drei Mal dem Beschuldigten mit, sein Verfahren werde eingestellt, aber wenn er noch einmal auffällig werde, gebe es ganz bestimmt ein anderes Urteil.

Besonders grausam ist die digitale Unberechenbarkeit im Rechnungswesen. Obwohl Rechnungen per Mail ausgestellt wurden, Zahlungen per Online-Banking angewiesen werden, ist die zeitliche Abfolge nicht sicher und nicht nachvollziehbar. Wer eine Einzugsermächtigung nicht viele Tage vor dem Fälligkeitstermin zurückzieht, bei dem wird das nicht mehr registriert.

Und niemand kann einem sagen, wie früh man etwas stornieren muss. Kündigungsfristen sind nebulös und werden von den Unternehmen nach eigenem Gutdünken festgelegt. Dazu kommt, dass die Unterlagen der Anbieter meist so undurchsichtig sind, dass die Kunden selbst nicht wissen, wann sie aussteigen müssten.

Ein Klassiker sind auch Online-Überweisungen. Nur wenn die Banken, zwischen denen der Geldverkehr stattfindet, im gleichen Verbund sind (zum Beispiel Raiffeisen, dazu gehören Netbank, diba, PSD, BB-Bank und die ganzen Volksbanken oder Sparkasse, oder Deutsche Bank/Post), und man am Tag nicht zu spät überweist (online) hat man vielleicht Glück, und das Geld ist am nächsten Tag beim Empfänger. Ansonsten kann es auch ein paar Tage dauern. Und wieder kann einem keiner genau sagen, wann das Geld von Konto A auf Konto B ist. Einzige Ausnahme: Wenn ich von einem Postkonto etwas auf das andere transferiere, ist es sofort da. So müsste das doch in Zeitalter der schnellen Verbindungen zwischen allen Banken möglich sein.

Ist dann eine Zahlung nicht rechtzeitig da, springt die automatisierte Mahnmaschine an. Die Mahnungen werden zwar noch ausgestellt, erreichen aber häufig nicht den Empfänger. Ob sie im SPAM-Filter hängen bleiben oder sonstwo ist nicht zu ermitteln, interessiert die Firmen aber auch nicht. Schriftlich wird es nicht mehr mitgeteilt. Ist die Frist überschritten, wird die Leistung eingestellt. Mitteilungen, dass doch Zahlungen erfolgten, werden häufig so spät in das System eingepflegt, dass trotz fristgerechter Zahlung einer Mahnung die Vollstreckung erfolgte.

Häufig werden auch Reklamationen nicht zur Kenntnis genommen. Nur wenn man sich auf einem der Social-Media-Dienste wie Facebook oder Twitter beschwert, gibt es vielleicht eine kleine Chance – entweder weil man selber einen Shitstorm auslöst oder weil gerade vorher einer gelaufen war und der Reputationsbeauftragte der Firma besonders sensibel ist. Einen Monat später ist es wieder Business as usual. Und beschwert man sich dann, ertönt online schon der Seufzer „Schon wieder einer, der da rumpampt, um per Shitstorm Aufmerksamkeit zu erlangen“.

Die Sicherheit, die es früher mal gab, wenn man mit einem Menschen geredet hatte, der persönlich um die Angelegenheit kümmerte oder in einer Akte etwas per Hand änderte, gibt es nicht mehr. Es ist ja auch müßig, sich so etwas zurück zu wünschen. Die Welt ist so komplex, dass sie ohne Computerunterstützung zusammen brechen würde. Die Menschen tippen etwas in Datensätze, und wenn man Glück hat, werden die Informationen miteinander abgeglichen.

Zwar ist die vollständige Vernetzung für viele ein Horrorszenario. Doch das hier und da gespeicherte digitale Halbwissen, die Unberechenbarkeit und die Unkenntnis über die Abläufe finde ich noch schlimmer.

Liebes Tagebuch…

…du suchst dir besser jemand anderes, der dich füllt. Ich habe nie lange durchhalten können, mein Leben zu dokumentieren. Wozu auch? Was nützt mir, wenn ich in fünfzehn Jahren sehen kann: aha, am 4. Oktober 2013 habe ich Fischstäbchen an Kartoffelpürree genossen.

Selbst die Erfolge mag ich nur ungern aufschreiben. Einer der vielen Erfolgsgurus hat mal geraten, man solle ein Erfolgstagebuch schreiben. Also was einem gut gelungen ist. Da steht in dieser Woche, Mittwoch, drin: Unitymedia-Modem trotz defektem Netzwerkkabel ans Laufen bekommen. Also meine Erfolge beim Niederringen der Technik.

Das ist aus zwei Gründen „pathetic“, wie der Russe sagen würde. Für das gute Gefühl, es einmal mehr geschafft zu haben, brauche ich keine schriftliche Niederkunft. Und für die Technik selbst ist es einfach nur ein Armutszeugnis. Auch das ist in der Regel bekannt: selten funktioniert etwas von Anfang an so wie es soll – das heißt: genau das tut es meist sehr. Die meiste Technik geht unvermittelt von heute auf Morgen kaputt. Niemand hat etwas (anders) gemacht (als vorher).

Also, wozu die Aufschreiberitis? Ah, ja, um das ironblogger-Soll zu erfüllen. Aber mal ehrlich: auch hier wirken die Fischstäbchen am Friedach doch eher ärmlich. Also, liebes Tagebuch, du musst so wie ich das sehe, weiterhin mit deinen weißen Seiten auskommen, und liebes Blog, auch für dich fällt erst mal nichts ab. Die Vermessung der Welt oder des Selbst findet ohne mich statt.