Ich bin ein Textmensch

Es gibt Textmenschen und Bildmenschen. Textmenschen können gut schreiben und Bildmenschen gut fotografieren und filmen. Beides liegt mir nicht so. Ich muss mich immer geradezu zwingen, die Kamera draufzuhalten, und selbst dann gelingt mir der ideale Moment nur selten. Andere, meine Tochter beispielsweise, die knipsen und es wird Fotokunst.

Doch Schreiben, das finde ich einfach nur wunderbar, da gehe ich auf, und ich stelle fest, dass von einigen meiner Texte sogar ein gewisser Zauber ausgeht. Das sagen auch manche Menschen, die sie gelesen haben, und ich sitze dann da und schaue etwas ungläubig, aber zugleich wissend, so wie Textmenschen das tun.

Ode an die Siebziger (II)

Kino, das war in meiner Kindheit der Ort, wo man Filme schaute. Ehrlich. In groß, und faszinierend wie später nie wieder, obwohl es damals weder 3D gab noch Dolby-Raumklang (Ausnahme siehe unten). Videorecorder gab es noch nicht, die Scheiben- oder Movieplayer der letzten Jahre sowieso nicht. Filme wurden also ausschließlich im Großformat konsumiert. Vielleicht kommt daher ihre Faszination. Oder es liegt an der Welt, die sie abbildeten. Ein paar Klassiker aus den Siebzigern.

2001 – Odyssee im Weltall – Diesen Film nicht im Kino zu sehen geht fast gar nicht. Die klaustrophobe Athmosphäre und die Weite des Alls zugleich – dazu gehört einfach die Dunkelheit eines Kinosaals und die Einsamkeit des Zuschauers in seinem Sessel.

Kampfstern Galactica – Wo Filme heutzutage mit 3D die Käufer ins Kino lockten, versuchten sie es in den Siebzigern mit Sensurround. Das hat mit Raumklang nichts zu tun, sondern waren besonders tiefe Töne, die den Zuschauer in seinem Sitz vibrieren lassen sollten, etwa bei Filmen wie Erdbeben oder auch dem ersten Kampfstern Galactica. In Köln war es nach meiner Erinnerung das Residenz, in dem wir den Film in dieser Technik anschauten – und fasziniert waren, vor allem von den chromblitzenden Zylonen.

Telefon – Des Waldes dunkel zieht mich magisch an, doch muß zu meinem Wort ich stehn und Meilen gehen, bevor ich schlafen kann. Wer diesen Text kennt, hat ihn wahrscheinlich im Film „Telefon“ gehört, wo ein Wahnsinniger so Schläfer weckt, die dann irgendwas in die Luft sprengen. Hier schon weht der Hauch des endenden (alten) Konflikts zwischen Ost und West.

Flammendes Inferno – Als dieser Film in die Kinos kam, waren wir eigentlich zu jung, um ihn zu sehen. Mein Freund war jedoch ein absoluter Feuerwehr-Freak (er schlief z. B. nachts mit einer über echten Feuerwehrstiefeln gestülpter Hose, um bei Alarm direkt zu Einsätzen fahren zu können). So schaffte sein Vater es, dass wir doch eine Vorstellung besuchen konnten. Der Film ist ein Abgesang auf Größenwahn, Pfusch am Bau und unverantwortliches Handeln. Ich hab ihn später immer wieder gerne gesehen (allerdings hat irgendeiner mal die Synchronstimmen modernisiert – schrecklich!).

Krieg der Sterne – Als der erste Film Ende der Siebziger in die Kinos kam, haben die deutschen Verleiher wohl eher an ein B-Movie gedacht, denn in Köln lief er nur im Theater am Rudolfplatz. Ich könnte jetzt einen Puristen-Lobgesang auf die noch nicht digital verhunzte Fassung loslassen, aber die gefällt mir auf ihre Art auch. Geradezu genial waren die bombastischen Effekte, und den Grabenflug muss man im Kino gesehen haben.

Kongress der Viehbarone

In diesem Jahr war ich zum, wenn ich richtig zähle, 27. Mal auf der CeBIT. Grundsätzlich gilt immer noch, was ich hier zum „silbernen Jubiläum“ meiner Teilnahme schrieb. Doch in diesem Jahr kam ich mir vor wie ein Veganer auf dem Kongress der Viehbarone.

Da die Messe sich dem Fachpublikum verschrieben hat, war die Situation entspannt, man kam sich vor wie früher auf der Systems. Morgens wenig Verkehr, Parkplatz gut zu bekommen (sogar unter Halle 1), und auch auf dem Gelände wenig Gedränge.

Um es auf den Punkt zu bringen: ICH FAND DAS TOLL!!! Die operative Hektik der vergangenen Jahre vermisse ich kein bisschen.

Doch was mir nicht gefiel, ist die (thematische) Entfernung der Messe vom Anwender. Die Bewältigung großer Datenmengen, was das Schlagwort „Datability“ wohl ausdrücken soll, ist für Firmen bestimmt ein Thema, das wichtig ist.

Darüber hinaus ist die Nutzung der Computer- und Telekomtechnik in der Industrie sicher sinnvoll, jetzt, wo das dank leistungsfähiger Elektronik endlich auch für zeitkritische Aufgaben möglich ist.

Aber die ganzen anderen Themen sollten darüber auch nicht vernachlässigt werden. OK, um die Auswahl des richtigen Handys kümmert sich vielleicht die MWC, und Multimediaschnickschnack wandert zur IFA.

Aber welches Tablet, Notebook oder PC mit welchem System und welcher Software für die Allroundnutzung das beste ist, ging im Wust der Industrie- und Profithemen unter. So kann meine Forderung an die nächsten Jahre nur lauten: MORE BEEF!

Warum nur

„Wenn auch nur die Form eines einzelnen Satzes gelingt, der scheinbar nichts mit allem gemein hat, was ringsum geschieht – wie wenig das Uferlose uns anhaben kann, das Gestaltlose im eigenen Innern und rings in der Welt! Das menschliche Dasein, plötzlich erscheint es lebbar, ohne weiteres, wir ertragen die Welt, sogar die wirkliche, wir ertragen sie in der wahnwitzigen Zuversicht, dass das Chaos sich ordnen lasse, fassen lasse wie einen Satz, und die Form, wo immer sie einmal geleistet wird, erfüllt uns mit einer Macht des Trostes, die ohne gleichen ist.“

Max Frisch, Tagebuch 1946-1949, gefunden hier.

Die beste aller Zeiten, die schlechteste aller Zeiten

Zurzeit tobt in Köln wieder der Karneval. Als Kinder haben wir das immer gerne gehabt, auch weil mein Vater als Chorsänger die Lieder der karnevalistischen Hitparade im WDR begleitete. Da war er dann immer viel mit den Sängern und Gruppen unterwegs, wir durften auch ab und zu mit.

In diesem Video ist mein Vater zu sehen: Im Chor der Mann rechts mit Bart. Kleiner Seitenaspekt: das rhythmische Klatschen zur Untermalung war durchaus nicht trivial, da Teile des Liedes einen 5/4-Takt haben

Als Jugendliche haben wir dann aufgedreht: wir waren in der Tanzschule (Lenzen in Mülheim) in den vielen Veranstaltungen, gingen auf das Fest in Blau, dann Sonntags zum Ortskarnevalszug, Rosenmontag nach Köln – und am Ende wurde im Agnesviertel feierlich der Nubbel verbrannt.

Irgendwann ist die Faszination aber erloschen wie ein Feuer, dem der Sauerstoff fehlt. Die Musik zündete nicht mehr, die Lieder klangen irgendwann alle immer gleich, und wie das so ist, kommt dann die Schwelle, wo einem das fürchterbar auf die Nerven geht. Den Straßenkarneval empfand ich diesmal als eine Hölle voller Zombies, aber ich war auch nur nachts zwei Mal in der Stadt, um jemand abzuholen.

Wie es drinnen aussieht, kann ich daher nicht sagen. Wer mit Karneval Spaß hat, soll ihn haben, ich verurteile das nicht. In dieser Zeit, wo alles nur noch auf Leistung und Profit ankommt, scheinen die Menschen wieder solche Ventile zu brauchen – vor allem, wenn sie merken, dass TV mit Lanz und Barth als Ablenkung vom Alltag nicht lange vorhalten.