Unendliche Geduld

…bringt sofortige Resultate. Dieser Spruch stammt von Wayne Dyer.

Wenn ich in einem Bewerbungsgespräch nach meinen Stärken gefragt würde, wäre „unendliche Geduld“ eine mögliche Antwort. Das Problem ist nur, und jeder Mathematiker wird mir hier beipflichten: die Zahl unendlich gibt es nicht.

Irgendwann ist auch meine Geduld zu ende. Und im Gegensatz zu Cholerikern, bei denen man weiß, wie sie reagieren, weil man es schon oft erlebt hat, ist der Ausbruch eines unendlich Geduldigen nicht vorhersehbar, weder in der Art noch in der Wirkung. Das hat dann zur Folge, dass sehr viel mehr passieren kann.

Zum Glück gibt es noch einen anderen Spruch, den ich zuletzt auf einem Poetry Slam hörte und der ab sofort die Unendlichkeit ersetzen wird in meinem nichtendenwollenden Repertoire aufbauender Wortkombinationen:

Geduld fängt dann an, wenn du glaubst, du hast keine mehr.

Draußenspieler

Zurzeit lockt die Natur mal wieder mit dem Anschein schönen Wetters: die Sonne scheint, der Himmel ist weitgehend blau, nur ab und zu regnet es. Das sorgt wieder allerorten für die Aufrufe: An die frische Luft! Raus ins Grüne! Doch ich kann dem Ruf leider nicht unbedingt folgen.

Das scheint eine aus der Kindheit überkommene Gewohnheit zu sein. Wir hatten keinen Garten und einen Balkon, der mit seinen Maßen und dem Ausblick auf einen tristen Innenhof nicht einmal ansatzweise dazu einlud, sich auf ihm aufzuhalten. Im Gegensatz zu meinen Kindern und ihren Freunden war ich trotzdem noch sehr oft draußen. Ich hielt mich aber gerne in meinem Zimmer auf.

Und heute? Ich liebe die Natur, bin gerne draußen. Aber auf meine Art. Ich kann dem Liegen, Lesen und Picknicken auf der Wiese nichts abgewinnen, setze mich lieber auf eine Bank auf einer Terrasse. Ich gehe gerne durch den Wald, aber ich mag auch genauso gerne auf befestigten Straßen unterwegs sein.

Und vor allem mag ich mir gerne selbst aussuchen, wo ich mich aufhalte. So wie ich mir gerne selbst aussuche, was und wie ich esse, fernsehe, lese, höre… Wer das nicht versteht, kann ja draußen spielen gehen.

Der Ver-Lust der Unschuld

Bestimmte Worte, die eigentlich harmlos klingen, kann man mittlerweile nicht mehr benutzen, weil sie auch in sexualisiertem Zusammenhang eingesetzt werden. Und weil über bestimmte Praktiken im Zusammenhang mit diesen Worten jederzeit öffentlich geredet und geschrieben wird. Entsprechende Ratgeber sind ja inzwischen schon in jeder Bäckerblume enthalten.

Um unsere Texte anderen Inhalts gar nicht erst in die falsche Richtung zu lenken, verwenden wir deswegen statt blasen das Wort pusten und machen selbst um ähnlich klingende Worten mit völlig anderer Bedeutung einen Bogen.

Das Gehirn des Menschen ist nämlich ein kleines Kind: auf die falschen Schlüsselwörter galoppiert es in die völlig falsche Richtung, und die ursprüngliche Botschaft, der Inhalt eines Textes ist dann nur noch schwer zu vermitteln, weil, haha, er hat … gesagt. Oder geschrieben.

Andererseits findet niemand mehr etwas dabei, den Begriff „geil“ zu benutzen, und auch Fäkalienbegriffe wie Scheiße oder Kacke gehören inzwischen zum Standardrepertoire vieler bei der Beurteilung von Sachverhalten. Da sind wir abgestumpft genug.

Eine Frage des Gefühls

Wer glaubt, wenn man einen Beruf ergreift, bei dem man sich hauptsächlich mit Technik beschäftigt, dann hat man nur mit den Funktionen der Maschinen und Geräte zu tun, der irrt sich gewaltig. Das stelle ich vor allem fest, wenn ich anderen den Umgang damit beibringe oder mich um ihren „Fuhrpark“ kümmere.

Das ist insgesamt emotionaler als ich mir das anfangs vorgestellt hatte. Man traut Blechtrotteln mit der auf ihnen laufenden Weichware gar nicht zu, so viel Leid zu verursachen. Aber tatsächlich kann ich sagen: den Rand der Verzweiflung kenne ich genau, andere haben ihn mir gezeigt.

Das kann man nur verstehen, wenn man schon mal die hochkochende Wut in den Augen der sonst friedlichsten Menschen gesehen hat, weil etwas nicht funktionieren will. Den leeren Blick ob der eigenen Hilflosigkeit im Umgang mit einem Programm, das sich standhaft weigert, den gewünschten Vorgang so auszuführen wie sie glaubten dass es richtig sei.

Geduld ist hier der Schlüssel. Mit den Menschen und den Maschinen. Und die fängt bekanntlich dort an, wo man glaubt, man habe keine mehr. Es braucht und hat alles seine eigene Zeit.

Auch die eigene Wortwahl ist wichtig, sie wirkt entweder Wunder oder Wutausbrüche. Lästert man daheim über eigene Probleme in Facebook oder Twitter noch ab, ist hier Ironie oder Zynismus überhaupt nicht gefragt. Das kann sonst nach hinten losgehen.

Den Humor sollte man sich trotzdem nicht nehmen lassen. Denn mit einem Lächeln hat sich auch schon so manches Problem in Wohlgefallen aufgelöst. Sogar bei der störrischen Technik.