Hintereinander oder durcheinander

Früher™ liefen im Fernsehen Serien immer eine Folge je Woche. Die Dramaturgie war entsprechend aufgebaut, sogar sogenannte Cliffhanger (Episoden, deren Handlung erst in der nächsten Folge aufgelöst wird) funktionierten ganz gut.

Schon mit dem Videorecorder wurden daraus dann auf Wunsch megalange Spielfilme: Man konnte ganze Folgen aufnehmen und hintereinander weg gucken. Oder kaufen. Das setzte sich dann mit DVD-Player fort und den Download-Portalen, die ganze Seasons oder bei abgeschlossenen Serien sämtliche Folgen auf einmal anboten (legal und Ikearegal).

Immerhin blieb man damit ein wenig in der Reihenfolge, denn normalerweise käme niemand auf die Idee, die Folgen nicht hintereinander zu schauen. Schließlich entwickeln sich Plot und Figuren ja über den Verlauf weiter.

Doch heute senden die Fernsehsender die Serien nicht mehr im richtigen Rhythmus. Bei vielen Serien erscheint zwar nach wie vor jede Woche alles auf dem Schirm, aber meist zwei oder drei Folgen auf einmal. Das ist als wenn man Musik mal langsam, mal schnell spielt.

Unangenehm ist es, wenn gleich mehrere Sender einer Familie die Folgen einer Serie senden. Ganz schlimm finde ich das zum Beispiel bei NCIS, das nicht nur auf Sat.1 und Kabel 1 sondern im PayTV auch noch auf 13th Street und Fox rauf und runter genudelt wird (bei den letzten zwei wenigstens werbefrei und auf O-Ton umschaltbar). Auch The Big Bang Theorie oder How I Met your Mother sowie Two and a half Men werden so oft gespielt, bis man den Eindruck hat, die Videobänder müssten ja schon ausgefranste Ränder haben.

Das gleiche gilt für die RTL-Familie und „CSI:woauchimmer“ sowie „Law and Order: New York/Special Victims Unit“ oder die ganzen anderen Varianten dieser Serien.

So trifft man in einer Woche auf zehn Folgen aus vier Seasons und weiß hinterher nicht mehr wo einem der Kopf steht. Selbst die tollste Serie kann einem so vergällt werden, selbst bei einem Plot, der nicht sich nicht im Laufe der Season weiter entwickelt.

Das ist dann der Moment, wo ich zum ersten Mal die verstehen kann, die entweder keinen Fernseher mehr besitzen oder sagen, weniger Programme reichen ihnen aus.

Wo rechnen sie denn?

Vor vielen Jahren, also Mitte der Neunziger bis zur Jahrtausendwende, waren für PCs & Co. die Computermessen in der Szene noch angesagt und wichtig: in den USA die Comdex und bei uns die CeBIT. Doch inzwischen haben die Großveranstaltungen für Unterhaltungelektronik auch in der Informationstechnologie das „Sagen“ übernommen – wichtige Neuerungen werden eher auf der CES und der IFA präsentiert.

Bei der CES ist das kein Wunder, schließlich gibt es keine der Comdex vergleichbare Veranstaltung mehr, selbst die PC Expo, eine kleinere Fachmesse vergleichbar der Systems in München wurde wie diese inzwischen eingestellt.

Gleichzeitig entwickelt sich die CeBIT zu einer Messe, auf der nur spezielle Anbieter und die Industrie ihre Produkte abseits des Masseninteresses vorstellen. So merkt keiner, was hinter der Cloud und den Servern stecken, in denen wir nichts ahnend unsere Daten speichern.

Auch die PC-Zeitschriften beschränken sich mittlerweile nicht mehr nur auf Computer, Drucker und andere Geräte, selbst in der c’t finden sich Tests von Fernsehern oder Digitalkameras.

Ich habe damit auch kein Problem, doch leider scheint die Leistungsfähigkeit der Systeme zugunsten der Kirmesfunktionen immer mehr in den Hintergrund zu treten. Auf Comdex und CeBIT konnte und wollte man früher wenigstens noch sehen, was im Inneren der Systeme abging. Hoffentlich geht das Interesse daran nicht irgendwann gänzlich verloren.