Sport ist Mord (IV)

Ich habe ja schon – die älteren werden sich vielleicht erinnern – früher über meine Sportbegeisterung geschrieben. Jetzt kommt das Thema wieder hoch, weil eine Mutter eine Petition zur Abschaffung der Bundesjugendspiele ins Leben gerufen hat. Und der übliche Shitstorm fegt über Sie hinweg, gefolgt von einem Soapstorm.

Ich kann mich nicht mal erinnern, eine Teilnahmeurkunde bekommen zu haben. Aber als ich soweit war, daran teilnehmen zu müssen, war mir das sowieso egal, weil es auch meinen Eltern und den mir wichtigen Freunden egal war.

In der 5 und 6 (damals noch Sexta/Quinta) hatten wir einen scharfen Hund als Sportlehrer, der mir regelmäßig eine 5 verpasste, weil ich den Leistungsanforderungen nicht genügte. Da konnten die Bundesjugendspiele auch nichts mehr verderben.

Ich habe weder ein Trauma davon behalten noch sonstige bleibende Schäden. Außer einer soliden Ablehnung von Stress im Sport.

Insofern finde ich die Abschaffung gut, wenn das gesparte Geld in sinnvollere Förderungen gesteckt wird. Wie wäre es mit mehr Computer-Unterricht? (oho! nächstes Wespennest…)

Zwanzig

Vor vielen, vielen Jahren begab es sich, dass ein Redakteur in die Selbstständigkeit wechselte. Von seinem Chef bekam er das Angebot, die Artikel in Zukunft als freier Journalist zu liefern. Keine Anwesenheitspflicht mehr in der Redaktion, keine aufwändigen Grenzkontrollen mehr am Übertritt in die Nachbarstadt, freie Zeiteinteilung, mehr Raum für die Familie, die sich just zu diesem Zeitpunkt erweitern sollte (und wie sie das hat!).

Seither ist dieser Beruf eine Passion. Mein Status ist, wenn auch anfangs mehr hineingeschubst als selbstgewählt, mir heilig. Viele Selbstständige sind ja in Wirklichkeit nur auf dem Weg zur nächsten Festanstellung, Durchreisende, mit mehr Gehalt und besserem Stigma als wenn man als „Arbeitssuchender“ gilt. So wie viele „Single“ eigentlich keine sind, denn sie suchen auch nach einer Beziehung.

Doch ich bin mit Leidenschaft selbstständig, ich möchte es nicht anders. Es ist schwierig, ich drehe hier immer mehrere Tellerchen und habe mehrere Hüte, die ich im Wechsel aufsetze: Autor, Lehrer, PC-Troubleshooter und noch einige mehr. Dass man selbstständig ist, heißt nicht, dass man keinen Boss mehr hat, sondern dass man viele Bosse hat.

Der Umgang mit Zeit und Terminen ist fast noch eine größere Herausforderung als die Beschäftigung mit den Inhalten. Aber nochmal: ich könnte mir zurzeit keinen besseren Zustand vorstellen. Was in Zukunft ist, wer kann das schon sagen. Hätte mir jemand damals erzählen können, dass ich hier in zwanzig Jahren noch in der Hauptsache das gleiche tue?