Niemand hört dich

Mit offenem Mund lese ich dieser Tage, dass sich Robert Basic dazu bekennt, als Kind andere gemobbt zu haben, ja sogar bewusst ein Kind von einer Schule zu vertreiben. Zwar habe ich vielleicht auch nicht immer als Kind richtig gehandelt und war ab und zu „gemein“, aber diese Wirkung hatte das nie, das war auch nie so beabsichtigt und wenn, dann hätte ich nicht so reagiert wie er, doch das will ich hier nicht beurteilen. So etwas ist eine Frage der grundsätzlichen Haltung.

Doch als Erklärung für diese Taten gibt er vor, Kinder sollten stark werden und wachsen, statt sich dieser Opferrolle zu ergeben. Dabei gibt es nur zwei Probleme. Wer nicht die Persönlichkeit hat, sich zu wehren, dem kann man es auch nicht beibringen. Diese „Wehrdich“-Haltung ist manchen halt zutiefst zuwider und wird es ewig bleiben.

Vor allem: Wer soll einem das in einer kritischen Situation sagen? Mitschüler (selbst Freunde) halten sich meist raus, und Eltern sind nicht da, wenn’s drauf ankommt (die versehen außerdem selten die Dynamik, die das hat). Außerdem sind es meist keine eskalierenden Situationen, sondern die vielen kleinen Stiche, die nur die erleben, die es sagen oder tun und man selbst.

Alle anderen merken nichts davon, und vermitteln kann man es ihnen nicht. Es ist keiner da, der dir hilft.

Also gibt es nur die Möglichkeit: selbst die Lösung finden, was ja auch meist mehr oder weniger gut funktioniert. Und daraus so gut es geht zu lernen. Ich habe daraus vor allem eines gelernt, in vielen kleinen Schritten: solche Menschen und dieses Verhalten zu ignorieren und sich von ihnen fern zu halten.

Zum Glück habe ich als Erwachsener diese Freiheit. Kinder haben das nicht. Deswegen ist es wichtig als Eltern, Lehrer, Mensch, der so etwas sieht, die Ohren zu spitzen und auf die Signale zu achten – damit man vielleicht doch helfen kann.

Wie das gehen kann? Kiki Thaeringen, die über ihre Erfahrungen berichtet hatte, gibt einem Lehrer Antwort darauf, besser könnte ich es auch nicht formulieren.

Übrigens wurden mehrfach Mitschüler, die mich anfangs ärgerten, hinterher zu meinen besten Freunden.

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