Billig und eine Überraschung

Bald ist der Spuk wieder vorbei, der Kerzenrauch hat sich gelegt, und übrig bleiben viele Menschen mit noch mehr Geschenken. Wobei nicht jeder wirklich glücklich damit ist. Warum eigentlich? Weil keiner mehr das Schenken ernst nimmt. Es gibt mehrere Ebenen des Schenkens.

In der untersten gibt es kein Geschenk. Meine Eltern sagten früher, wenn wir fragten, was es zu Weihnachten gibt: „Nix. Das ist billig und eine Überraschung.“ (wobei letzteres Argument damit schon hinfällig war). Tatsächlich schenken viele Menschen anderen gar nichts, weil sie doch nix passendes gefunden hätten, kein Geld da sei – die Liste der Entschuldigungen ist so lang wie die, warum man zu spät zur Arbeit kommt.

Die zweite Ebene ist das Geldgeschenk. Damit gibt man dem anderen wenigstens etwas, ohne die Verpflichtung, sich über das Geschenk an sich Gedanken machen zu müssen. Andererseits wünschen sich viele Menschen auch Geld, damit sie sich nicht etwas bekommen, was sie nachher gar nicht wollen.

Nur knapp über dem Geldgeschenk residiert der Gutschein. Er gibt vor, dass man sich Gedanken gemacht habe, sagt aber: ich habe eine leise Ahnung, was du magst, aber es ist einfacher, wenn du dir das dann selbst aussuchst. Wenn es sich um eine nicht gegen Geld tauschbare Variante handelt, gewährleistet er auch, dass der Beschenkte sich nicht etwas holt, womit der Schenker nicht einverstanden wäre.

Einen soliden Mittelplatz (und leider nicht die Spitze, wie man annehmen könnte) sichert sich das Wunschgeschenk. Vor Weihnachten wird man gefragt, was man gerne hätte. Das Wunschgeschenk gibt es in drei Varianten:

  • Man sagt, was man will, darf es sich dann aber selbst vorher kaufen (bezahlen muss man natürlich nicht). Das befreit den Schenker von jeder Mühe.
  • Es gibt eine genaue Vorgabe mit Typenname und Art. Birgt das Risiko, dass es das Geschenk so nicht gab. Dann bekommt man doch etwas anderes oder die Kaffeemaschine in pink statt in schwarz.
  • Etwas besser: Es wird nur die Richtung vorgegeben, aber der Schenker muss es selbst aussuchen. So hat man allerdings leider das Risiko, doch nicht das zu bekommen, was man wollte.

Am besten ist immer noch das Geschenk ohne Fragen. Das richtige zu finden ist natürlich umso schwieriger, je seltener man Kontakt hat – doch unmöglich ist es nicht. Es macht auch den meisten Spaß herauszufinden, was eventuell passen könnte.

Stichwort: eventuell kommt dabei etwas auf den Gabentisch, was vollkommen daneben liegt, aber immerhin wurde sich Gedanken gemacht. Hoffentlich. Denn es gibt auch die Variante, bei der die Gedanken vollkommen daneben liegen, und das schon seit Jahren.

An höchster Stelle residiert das Selbstgeschenk. Man gönnt sich etwas, das man sich das Jahr über normalerweise nicht leisten würde. Das funktioniert natürlich nur, wenn man nicht ständig seinen Kaufgelüsten nachgibt.

Einen Tipp noch für Beschenkte: Nicht bewerten. Freuen Sie sich über egal was Sie bekommen. Es ist nur ein Geschenk. Genießen Sie die gemeinsame Zeit. Wer sich über Geschenke ärgert, vergeudet Lebensenergie.

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