Selbst verordnete Hilflosigkeit

Neulich lief im Fernsehen wieder „Die Unbestechlichen“, der Film über die Watergate-Journalisten mit Dustin Hofmann und Robert Redford. In einer Szene musste Bob Woodward (Redford) eine Telefonnummer herausfinden und wühlte sich tatsächlich über mehrere Stunden durch einen Riesenhaufen dicker Telefonbücher. Da kam mir in den Sinn:

Wir leben in einer Welt mit Navi, eBook-Reader, Handy, Tablet, Internet, Multifunktionsdrucker, Lieferservice und alles ist ja auch wunderbar. Aber wenn ich sehe, wie hilflos manche Menschen agieren, sobald ihnen eines dieser Teile abhanden kommt, bin ich froh,

…auch ohne Navi zu einem Ort zu gelangen, den ich nur auf der Karte gesehen habe
…auch ohne Suchfunktion in einem Text, einer Zeitschrift oder Buch eine bestimmte Information zu finden
…einmal am Tag etwas zu schaffen, wo der einzige Strom, der höchstens fließt, einen Bohrmaschinenmotor oder eine Stichsäge antreibt
…mit barem Geld einzukaufen und solches auch wieder zu bekommen
…eine vom Sinn her nachvollziehbare Notiz leserlich auf einen Zettel schreiben zu können
…aus einer Handvoll Zutaten auch ohne Rezept ein schmackhaftes Gericht kochen zu können
…eine längere Wartezeit auch ohne Bespaßung irgendeiner Art auszuhalten
…ohne Rechtschreibprüfung fehlerfreie Texte zu verfassen (mit einer Ausnahme: das und dass gehen mir ab und zu dadurch)

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