Zwanzig

Vor vielen, vielen Jahren begab es sich, dass ein Redakteur in die Selbstständigkeit wechselte. Von seinem Chef bekam er das Angebot, die Artikel in Zukunft als freier Journalist zu liefern. Keine Anwesenheitspflicht mehr in der Redaktion, keine aufwändigen Grenzkontrollen mehr am Übertritt in die Nachbarstadt, freie Zeiteinteilung, mehr Raum für die Familie, die sich just zu diesem Zeitpunkt erweitern sollte (und wie sie das hat!).

Seither ist dieser Beruf eine Passion. Mein Status ist, wenn auch anfangs mehr hineingeschubst als selbstgewählt, mir heilig. Viele Selbstständige sind ja in Wirklichkeit nur auf dem Weg zur nächsten Festanstellung, Durchreisende, mit mehr Gehalt und besserem Stigma als wenn man als „Arbeitssuchender“ gilt. So wie viele „Single“ eigentlich keine sind, denn sie suchen auch nach einer Beziehung.

Doch ich bin mit Leidenschaft selbstständig, ich möchte es nicht anders. Es ist schwierig, ich drehe hier immer mehrere Tellerchen und habe mehrere Hüte, die ich im Wechsel aufsetze: Autor, Lehrer, PC-Troubleshooter und noch einige mehr. Dass man selbstständig ist, heißt nicht, dass man keinen Boss mehr hat, sondern dass man viele Bosse hat.

Der Umgang mit Zeit und Terminen ist fast noch eine größere Herausforderung als die Beschäftigung mit den Inhalten. Aber nochmal: ich könnte mir zurzeit keinen besseren Zustand vorstellen. Was in Zukunft ist, wer kann das schon sagen. Hätte mir jemand damals erzählen können, dass ich hier in zwanzig Jahren noch in der Hauptsache das gleiche tue?

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