Was kümmert es die Eiche… #kritikprofis

Als Profi, der ab und zu auch vor Publikum tätig ist, kommt es hin und wieder zu ungewollten Reaktionen, mit denen ich irgendwie umgehen muss. „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann hat das selbst erlebt und aus diesem Anlass eine Blogparade ins Leben gerufen, an der ich mich gerne beteilige.

Da ich verschiedene Tellerchen drehe, kommen Reaktionen auf verschiedenen Ebenen zu mir. Mein erster großer Artikel als Autor und Redakteur enthielt einen Fehler (es ging um Malprogramme, und ich behauptete, eine bestimmte Funktion gäbe es bei einer Software nicht). Sofort wurde die Redaktion mit Leserbriefen bombardiert, und ich musste mich auch mit einigen unflätigen Bemerkungen auseinandersetzen. Damals lernte ich jedoch die wichtigste Regel: Fehler gehören zum Geschäft, und die Erde dreht sich weiter. Man muss sie zugeben, korrigieren und weiter machen, auch wenn manche einen als Idioten beschimpfen.

Seit vielen Jahren bin ich auch als EDV-Trainer unterwegs, und zwar bei Menschen, die nicht selbst dafür bezahlen, sondern im Rahmen von Wiedereingliederungs-Programmen ins Arbeitsleben daran teilnehmen. Nicht jeder ist mit meiner Art oder meinen Inhalten einverstanden. Um das abzufangen, biete ich in bestimmten Abständen die Möglichkeit, Feedback zu geben. Das hatte ich anfangs nicht, und das motivierte manchen, während des Unterrichts mich mit Bemerkungen aus dem Konzept bringen zu wollen.

Eine Frau meinte sogar, mit meinem Stil überhaupt nichts anfangen zu können und zog sich anschließend komplett zurück. Ich akzeptierte das und sagte es ihr auch. Ich nehme so etwas nicht persönlich. Es ist zwar schön, wenn einen alle mögen, doch 100% Zustimmung erreicht man kaum. Bill Clinton meinte einst, ihm würden 51% reichen. Ich bin allerdings froh, wenn ich meist etwas mehr schaffe. Eine Garantie ist das Gefühl jedoch nicht.

Und wenn die Reaktion heftiger wird? Vor vielen Jahren konnte ich einen professionellen Rhetorikkurs bei Peter Palausch absolvieren. Dort lernten wir auch mit unflätigen Reaktionen aus dem Publikum umzugehen, und zwar auf die einzig richtige Art: darüber hinweg gehen. Voraussetzung hierfür ist nach meiner Erfahrung eine klare Linie, die man durch den Vortrag ziehen muss. Wenn ich fest verwurzelt bin, kann mich nichts umwerfen.

Für den Umgang mit Kritik halte ich mich auch an Vera F. Birkenbihl, die dazu in einem Buch empfiehlt, den Kritiker (bei der entsprechenden Gelegenheit) zu bitten, doch mehr zu erzählen, nachzufragen. Unsachliche Nörgler können spätestens hier nicht mehr viel dazu sagen, und aus dem Rest können wir lernen.

Also sehe ich mehrere Säulen für die Kritikfestigkeit: Ein klar durchstrukturiertes Programm, eine gute Präsentation sowie ein separates Ventil für Kritik anzubieten. Und die Einsicht, dass niemand perfekt sein kann. Selbst beim Umgang mit Kritik nicht.

One thought on “Was kümmert es die Eiche… #kritikprofis

  1. Pingback: Was #Kritikprofis zum Umgang mit Querulanten, Trollen und echten Kritikern raten … - PR-Doktor

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